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# Intima Die wahren Kräfte des Marktes. Ein literarischer Essay

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© 2014 Timothy Speed. All textual rights remain with the author.
                    https://doi.org/10.5281/zenodo.17900553

                 ORCID: https://orcid.org/0009-0002-0143-5949

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   Intima
   Die wahren
Kräfte des Marktes.

    Ein literarischer Essay
     von Timothy Speed

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## Klappentext

Im September 2014 wird der Roman »Stieren des Weltdesigners« vom
Markt genommen. Der Verlag fürchtet die Klage eines darin vorkommenden
Konzerns. Der Autor soll sich dem Diktat der Wirtschaft fügen.
    Während dieser Tage der Zensur schreibt Speed den folgenden
literarischen Essay, indem er sich mit den unbewussten Kräften des Marktes
befasst. Im Rahmen einer Performance verkörpert er den Bürger einer
optimierten Gesellschaft, in der sich die Menschen einander derart
angeglichen haben, dass Kommunikation mangels abweichender
Sichtweisen sinnlos geworden ist. In einem experimentellen Rausch will er
darum gemeinsam mit dem Journalisten Mr. Bob einen von der
Marktkonformität abweichenden Zustand erreichen, aus dem sich ihm
unbewusstes Wissen erschließen soll.
      Er entwickelt dabei die „Theorie der Sphären“, durch die begreifbar
wird, weshalb Menschen in Zeiten großer Veränderungsnotwendigkeit
angesichts der ökologischen, kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen Krisen,
in Schwäche und Passivität erstarren und dabei jede Irritation, alles Neue
und Fremde meiden – somit jedoch Entwicklung blockieren.
      Speed zeigt einen zentralen Betriebsfehler des Kapitalismus auf, der
die Lähmung der kreativen Kräfte einer Kultur bewirkt und darum am Ende
immer zu einer schwachen Planwirtschaft großer Strukturen führt und freie
Eigeninitiative sowie das soziale Gefüge zerstört.
      Dieser Prozess kann nur durch radikale Beziehungsarbeit, durch die
authentisch gelebten Zusammenhänge und bewusst gemachten
Auswirkungen des Handelns umgekehrt werden. Durch den natürlichen
Ausgleich der Kräfte und Werte zwischen Menschen, der im kapitalistischen
Markt durch den Zwang zum Produkthaften bewusst verhindert wird, um
Gestaltungskraft, Lebensperspektiven und Werte zu kontrollieren.
      Speed antwortet darauf mit einer neuen Physik des
verantwortungsvollen Individualismus, einem vom Bürgertum ausgehenden,
neuen Gesellschaftsdesign, als Disziplin für jeden Menschen. Er vermittelt
ein tiefes Verständnis von lebenden Ordnungsstrukturen, ja von der
kreativen Lebendigkeit selbst. Ein wichtiges Werk, in diesen Zeiten
scheinbarer Alternativlosigkeit.

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                                 Vorwort
Der 1973 geborene, britisch-österreichische Künstler und Schriftsteller
Timothy Speed beschäftigt sich in seinen Essays, Performances, sozialen
Projekten und literarischen Arbeiten mit der Rolle von selbstbestimmten,
unangepassten und kreativen Menschen in wirtschaftlichen und staatlichen
Strukturen. In seiner Arbeit werden die Grundlagen einer kreativeren und
humaneren Gesellschaft erforscht. Er setzt sich mit Veränderungs- und
Entwicklungsprozessen auseinander, löst diese mit ungewöhnlichen
Ansätzen selbst aus oder begleitet sie. Gerade in Zeiten, in denen
Individualismus von Angst verdrängt wird und ein übertriebenes
Sicherheitsbedürfnis die kreativen Potenziale und notwendigen,
krisenhaften Bewusstwerdungsprozesse verhindert, bekommt seine Arbeit
hohe Relevanz und Bedeutung.
       Viele Jahre hat er die inneren Mechanismen von kreativen und freien
Gesellschaftsordnungen untersucht und entwickelte 2003 in dem Buch
»Gesellschaft ohne Vertrauen« eine eigene Theorie dazu, wie die Teilhabe
vielfältiger, kritischer, unangepasster Menschen in einem System gefördert
werden kann und weshalb dies für die Realitätskompetenz und
Entwicklungsfähigkeit einer Gesellschaft entscheidend ist. Er zählt zu den
Pionieren im Bereich der »systemkreativen« Gesellschaftsgestaltung und
eines authentischen »Diversity-Managements«. In seinen Ansätzen wird die
Gesellschaft nicht mehr aus von Eliten gesteuerten, halb bewussten,
politischen Ritualen gestaltet, sondern in individuellen Prozessen ergründet
und umfangreich diskutiert. Die Bedeutung kreativer und systemischer
Intelligenz wird erlebbar.
       Dafür braucht es laut Speed IndividualistInnen und Menschen, die sich
subjektiven und inneren Impulsen hingeben, welche die Strukturen auf der
Werte-, Wissens- oder Identitätsebene, durch neue Perspektiven oder
Irritation ausreichend destabilisieren, um Entwicklung und echte,
demokratische Prozesse zu fördern. Darum spricht er von einem Recht auf
Krise und fordert ein positives Verständnis von abweichendem Verhalten,
um komplexere Ordnungen entstehen zu lassen. Wirtschaftswachstum
tauscht er gegen Gestaltungskraft, weil die Frage, was Menschen individuell
im Leben gestalten können, mehr über den realen Wohlstand in einer
Gesellschaft aussagt und negative Erfahrungen nicht entwertet, sondern
integriert.

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      Bereits im Jahr 2000 analysierte er in »Verdammt Sexy« die Probleme
für Wirtschaft und Gesellschaft, die aus zu viel Konformismus und Zwang
zum Harmlosen und Glücklich-Machenden resultieren. Mit dem
amerikanischen Medienforscher Neil Postman diskutierte er die Frage, mit
welchem Recht die Medienmacher die Realität gestalteten. Schon hier
zeigte sich seine Suche nach der authentischen Gestaltung einer
Gesellschaft und nach neuen Strukturen, welche diese begünstigten.
      Später entwickelte er mit dem Managerberater Markus Maderner eine
der ersten Managementmethoden, welche bewusst die Komplexität nicht
reduziert, um das Management scheinbar zu erleichtern, sondern die Vielfalt
sucht und integriert, also lernt, damit zu arbeiten. Dadurch kann näher an
der Realität, näher am Menschen gestaltet werden und automatisierte
Strukturen, die zu gigantischen Nebeneffekten, wie Umweltzerstörungen,
Ignoranz oder sozialen Problemen führen, werden von den in dem Buch
»Inner Flow Management« entwickelten Haltungen, wie einer bewussteren
Form der Unternehmensführung, abgelöst.
      Speed zeigt auch auf, wie erst durch das Amateurhafte, Persönliche,
Angreifbare und Subjektive echte Innovations- und Entwicklungsfähigkeit
möglich wird, da die überprofessionalisierte Wirtschaft sich in ihrem Zwang
zur Simplifizierung und zum normierten Verhalten selbst von der Quelle
neuer und unmittelbar realistischer Einsichten abschneidet. Für Bewegung
notwendige Entwicklungsenergie geht in zu viel Ordnung verloren.
      Aus diesen Überlegungen heraus versuchte Speed 2010
selbstbeauftragt, als Künstler das Unternehmen Red Bull umzugestalten. Er
drohte vor der Zentrale in Fuschl einen Stier zu töten, um einen subjektiven
Prozess auszulösen, in dem die Beziehung zwischen Unternehmen und
Mensch neu verhandelt werden sollte. Er wollte sehen was passiert, wenn
ein Individuum sich mit allen Aspekten der eigenen Persönlichkeit in die
Wirtschaft einbringt, diese komplizierter, komplexer, vielfältiger macht und
sich zugleich im Dienst der Innovations- und Realitätskompetenz weigert,
ein geschmeidiges, ein einordenbares Produkt zu werden. Weil er in der
subjektiven Differenz, im Nicht- oder Missverstehen, im unangepassten
Verhalten, die Chance der Erweiterung der Existenz und der
Lebenswirklichkeiten sieht.
      Zitat Speed: »Für eine Woche waren die Leute bei Red Bull gespalten.
Sie wussten nicht, ob sie als Mensch oder als Funktion auf mein Handeln
reagieren sollten. Ich hatte das Gefühl, dass der Mensch in ihnen mit mir
den Stier töten wollte, während der Anwalt, der Milliardär, der Manager,
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der aus ihnen sprach, dies um jeden Preis verhindern musste. In dieser
Woche gehörte das Unternehmen allein dem an der Welt zweifelnden
Menschen. Der Gewissheit, dass jeder von uns einen Konzern bezwingen,
gestalten und verändern kann.«
      In einer Welt, in der sich Firmen durch einseitige Kommunikation in
der Werbung und hierarchischen Machtstrukturen dem Bewusstwerden
jener Verstrickungen verweigern, jener verborgenen Zusammenhänge, jener
Auswirkungen, an denen immer mehr Menschen leiden, kann Arbeit, Staat
und Gesellschaft vom Persönlichen nicht mehr getrennt werden, ist alles mit
allem in Beziehung. Hier lebt Speed eine Form radikaler
Beziehungsfähigkeit mit der Gesellschaft und den Unternehmen und stellt
sich sensiblen Wahrnehmungen und persönlichem Schmerz. Dabei
entstehen neue Lebensräume aus subjektiver Kommunikation in Welten
kommerzieller Gleichschaltung. Für ihn ist dies die Grundlage innovativer
Wertschöpfung, Authentizität und Menschlichkeit. Somit wird durch die
eigene Sperrigkeit mehr Entwicklungspotenzial in der Wirtschaft vorgelebt
und dient so als Grundlage neuer Märkte. Speed forderte den Konzern
heraus, sich durch den Menschen hindurch komplexeren und freieren
Ordnungen, Weltbildern, Möglichkeiten zu stellen.
      Um seine Arbeit an Red Bull zu vertiefen, auf der Suche nach einer
neuen Haltung zur Wirtschaft, kündigte er seine Wohnung in Berlin, zog für
drei Jahre in ein Zelt und schrieb den Roman »Stieren des Weltdesigners«,
in dem eine Gruppe von Individualisten in einem Bus zu Red Bull fährt, um
selbst zur Krise zu werden. Damit sie wieder selbstbestimmt ihr Leben
gestalten können, sich durch sie hindurch eine komplexere, vielfältigere
Ordnung ausdrücken kann, in der auch Probleme sichtbar und Beziehungen
gestaltbar werden. Sie eben nicht in Kommerzwelten ihre Integrität
verlieren und von einer vermeintlichen Krise vor sich selber hergetrieben
werden.
      Timothy Speed entspricht in seiner Arbeit nicht traditionellen
Vorstellungen von Literatur. Er macht bewusst dramaturgische Fehler, lebt
Themen subjektiv aus, macht sich angreifbar, um den Blick für das Neue
und Unmittelbare zu schärfen.
      Da Speed mit seiner eigenen Existenz versucht, eine neue ArbeiterIn
vorzuleben, die sich der Simplifizierung und Effizienzsteigerung verweigert,
um die Zerstörung der Vielfalt zu stoppen, war es nur logisch, dass er dabei
in einer auf Effizienz ausgerichteten Welt pleite ging und somit auch für den
Staat zu Sand im Getriebe wurde. Vom Arbeitsamt schikaniert und völlig
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verarmt, schrieb er 2014 den Essay »Stärke in der Armut«, in dem er die
zweifelhaften Hartz IV Gesetze im Namen der Kunstfreiheit aushebelte und
seinen fehlenden Gehorsam zu einem Wirtschaftsförderungsprogramm
erklärte. Damit brachte er die amtierende Ministerin Andrea Nahles in
Bedrängnis und gab den Armen eine Wirtschaftskompetenz zurück, die
ihnen strukturell in der Armut genommen wird.
       Der Vizepräsident des Europaparlaments und somit der ranghöchste
Österreicher in Brüssel, Othmar Karas ließ über sein Büro ausrichten: »Herr
Mag. Karas schätzt Ihren Text sehr, da Sie versuchen ein Verständnis bzw.
ein Bewusstsein für Ihre Situation und die von vielen anderen, zu schaffen.
Besonders den Aspekt – die volkswirtschaftliche Verantwortung und
Wertschöpfung aus einem ganz anderen Gesichtspunkt heraus zu
beobachten, ist ihm ins Auge gefallen…«
       Die österreichische Armutskonferenz hingegen lehnte sein Buch ab
und verweigerte dem Künstler den konstruktiven Dialog. Zu radikal anders
wäre sein Verständnis von Armut. Die selbstbewusste Haltung eines Armen
stellte sowohl die traditionelle Postion der Sozialorganisationen, wie auch
die Armutsstrategien der Politik in Frage.
       Der Theologe Eugen Drewermann schrieb kurz darauf in einem Brief
an Speed: »Ja, warum stehen die Arbeiter nicht auf? Den Grund
beschreiben Sie sehr zutreffend selbst. Weil sie froh sind, eine Arbeit zu
haben, und sich zu deren Erhalt in jeder Form anpassungswillig bearbeiten
lassen. Das tun Sie nicht, aber ich sehe die Gefahr, dass Sie dabei sind, sich
in Aktionen zu ruinieren, deren Motive mehr als verständlich sind, doch
deren Ergebnisse vorhersehbar gering sein werden....Es liest sich so gut,
was Sie schreiben, und es sollte nicht verpuffen...«
       Durch die Arbeit von Timothy Speed wird ein veränderter
Verantwortungsbegriff definiert. Das Individuum steht nicht mehr nur in
Verantwortung gegenüber den unmittelbaren Pflichten des Alltags, sondern
muss auch die Welt, das Innen und das Außen, das Persönliche und das
Allgemeingültige integrieren und in ein dynamisches Gleichgewicht
bringen. Verantwortung wird somit erst über die Aufforderung zur
unmittelbaren      Beziehungsarbeit      konkret,    was      Formen      von
»Scheinverantwortung«, wie der Gehorsam gegenüber unreflektierten
Regeln oder Autoritäten aushebelt. Speed lebt vor, wie radikal das in der
Praxis ist. Sowohl Institutionen, Unternehmen, aber auch der Staat wird bei
der authentischen Verantwortung gepackt. Das Individuum kann die
Struktur im Sinne von Menschlichkeit und Innovationsfähigkeit aufbrechen.
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In dem Versuch Verantwortung zu übernehmen, geriet Speed darum ständig
in Konflikt mit Institutionen und Systemen.
      Im September 2014 wurde der Roman »Stieren des Weltdesigners«
vom Markt genommen. Der Verlag fürchtete die Klage des Konzerns Red
Bull. Der Autor sollte sich dem Diktat der Wirtschaft fügen.
      Während dieser Tage der Zensur schrieb Speed den literarischen Essay
»Intima«, indem er sich mit den unbewussten Kräften des Marktes befasst.
Er versucht über seine Theorie der Sphären eine Sprache zu entwickeln, die
ausdrückt, weshalb Menschen in Zeiten großer Veränderungsnotwendigkeit,
angesichts der ökologischen, kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen Krisen,
in Schwäche und Passivität erstarren und dabei jede Irritation, alles Neue
und Fremde meiden, somit durch ihre Anpassung an den Markt Entwicklung
blockieren. Damit zeigte er einen zentralen Betriebsfehler des Kapitalismus
auf, der die Lähmung der kreativen Kräfte einer Kultur bewirkt, sowie
Realitätskompetenz reduziert, der Kapitalismus darum am Ende immer zur
schwachen Planwirtschaft der großen Strukturen führt und freie
Eigeninitiative abbaut.
      Er entschlüsselt die durch Kapitalismus und Rationalismus
entstehende Trägheit der Massen. Wie die im Markt verordnete,
systematische Verhinderung des Authentischen, des freien Ausgleichs und
der unmittelbaren, funktionslosen Begegnung zwischen Menschen. Was
auch moralische und soziale Erosion bedeutet. Die Abspaltung vom
unmittelbaren Geschehen, um produkthaft zu bleiben, weil sich scheinbar
nur davon der eigene Wert ableiten lässt.
      Er antwortet darauf mit einer neuen Physik des Individualismus, einem
vom Bürgertum ausgehenden, neuen Gesellschaftsdesign, als Disziplin für
jeden Menschen.
      Wenig später forderte er in einem offenen Brief Liz Mohn, die
Eigentümerin eines TV-Senders zum Totalumbau der Medien auf. In dieser
einfachen Geste lebt er vor, wie der Mensch sich von den Zwängen des
Kapitalismus löst. Nicht ohne Schmerz und ohne Scheitern. Durch das
eigene Innere hindurch. Zerfallend, loslassend, bis teils unbewusst, teils
bewusst, eine neue, freiere und komplexere Beziehung entsteht, als jene des
Marktes.
      Die NGO »Dropping Knowledge« lud Speed bereits 2006, gemeinsam
mit bedeutenden Intellektuellen wie Wim Wenders, Hans-Peter Dürr,
Jonathan Meese, Masuma Bibi Russel oder Bianca Jagger, an den größten
runden Tisch der Welt ein, um die 100 bedeutendsten Fragen der Menschheit
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zu beantworten.
     Eine Zeit arbeitete er für die Organisation des amerikanischen
Präsidentenberaters Don Edward Beck.
     Als Speaker spricht er vor Top-Managern, hält Workshops, begleitet
Prozesse, provoziert und regt zum Nachdenken an.

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   Intima
   Die wahren
Kräfte des Marktes.

        12

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Eine neue Studie der ETH Zürich belegt, dass die Weltwirtschaft von 147
Konzernen dominiert wird, welchen über Beteiligungen und Übernahmen
ein großer Teil der Unternehmen auf dem Planeten gehören. Weitere
Forscher, aber auch Politiker, sprechen von wenigen Familien, die seit
Generationen die weltwirtschaftliche Macht in Händen halten und in den
vergangenen Jahrzehnten weiter zentralisiert haben. Diese Eliten leben und
arbeiten im Hintergrund. Sie werden weder gewählt, noch kennen wir ihre
Namen oder wissen, wo sie leben.

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Zwei Dinge sind in unserer Gesellschaft verboten. Über sich selbst in der
dritten Person zu sprechen und sich radikaler Subjektivität hinzugeben. Das
Ich muss fremdbestimmt bleiben. Durch Schule, Arbeitgeber, Partner oder
Staat. Es ist untersagt, sich selbst als Superhelden oder als spannenderen
Menschen neu zu erfinden, sowie darin eine Beziehung zum eigenen Ich
aufzubauen und dieses ungefragt in einen internationalen Kontext zu stellen.
Zu tun, als habe dies für die Welt oder für die authentische Begegnung mit
anderen             eine          Relevanz,            ist           unerhört.
       Es könnte die Beziehung zum Gegenüber mit einem Bruch irritieren,
in dem Verletzlichkeit und Verunsicherung entstünde und die Chance sich
auf eine unkonventionelle Art nahe zu kommen. Ebenfalls muss das
Objektive stets über das Subjektive herrschen. Auch muss man Angst davor
haben, Schwächen zu zeigen und Fehler zu machen. Das genaue Gegenteil
zu tun, sich also ungehemmt und zugleich sensibel zu benehmen, könnte der
Wirtschaft schaden. Der Mensch hat sich nicht selbst gut zu finden und
schon gar nicht OK, obwohl er auch dunkle Seiten hat. Es ist angebracht,
Selbstreflexion um jeden Preis zu verhindern. Auf diese Weise werden
weder die eigenen Schatten je bewusst, noch kommt es zu einem
authentischen Austausch, der Erlaubnis, dass auch du dich verändern darfst,
ich es bemerke und mitgehe. Ein offener Tanz der Identitäten und Positionen
könnte beginnen. Wenn der Mensch zwischen subjektiver, eigenständiger
Wahrnehmung und selbstbestimmter Definition der eigenen Rolle zwischen
innen und außen, zwischen Selbstbezogenheit und Selbstdistanz frei pulsiert,
ist er für die Obrigkeit nicht mehr zu kontrollieren, kontrolliert sich selbst
nicht mehr und seine Erkenntnisse könnten die Welt erschüttern.
       Weder Schuld noch Angst werden diesen Menschen daran hindern
alles auszusprechen, somit alles zu leben, was ihm in den Sinn kommt. Von
jeder fremdbestimmten Identität befreit, kann dieser Mensch nun das
Dunkle, wie auch das Helle ohne Scham verkörpern und es als die große
Beziehung erkennen.
       Aber - nein, der Mensch hat sich gefälligst seiner selbst zu schämen
und anderen seine Definition zu überlassen, statt einfach zu tun als sei es ihr
oder ihm völlig egal, was das Außen denkt, und das die Voraussetzung für
                                      14

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authentische Liebe zu nennen.
      Dieser Text ist ein Statement. Keine Theorie, sondern gelebtes Wissen.
Gelebte Haltung. Ich lebe die Konsequenzen daraus, zahle den Preis und
schreibe darüber - und das, was ich schreibe, verändert mein Leben. Ich
gestalte ein neues Rollenbild, ein verändertes Verhalten. Jenseits der
vordefinierten Formate und Lebensräume. Zwischen Kunst, Wirtschaft,
Wissenschaft und nackter Existenz. Mal scheiternd, mal gelingend. Ein
Buch über Wissen, obwohl ich mir nicht sicher bin. Irritierend und
integrierend. Es ist was es ist. Verbotene Beziehung.

      Die folgenden Seiten bestehen aus Notizen und Gesprächen, die ich
mit Timothy Speed führe. Mein Name ist Mr. Bob. Ich bin ein
Wissenschaftsjournalist aus Liverpool und lerne Mr. Speed in einer Bar in
Berlin kennen. Wir sind durch Konsum optimierte Menschen, die sich kaum
noch von einander unterscheiden. Darum ist es egal, ob ich ich selbst bin,
eine Frau oder ein Mann. Wie Roboter haben wir alle unnützen Aspekte des
Lebens für ein klares Netzprofil aufgegeben und müssen uns bewusstlos
saufen, um überhaupt noch kommunizieren zu können. Im nüchternen
Zustand würden wir nur das sagen, was auch das Gegenüber bereits denkt,
was einem darum wie Verschwendung erscheint und Schuldgefühle auslöst.
Überhaupt ist jede Form der Abweichung mit Schuld behaftet. Um die
Zivilisation aufrecht zu erhalten, ist es jedoch einmal im Monat gestattet,
uns zu berauschen und die Kontrolle zu verlieren. Ansonsten würden wir
aussterben und auch keine Kinder mehr bekommen.
      Im Laufe der Sauforgie wird Timothy Speed versuchen, sich durch
unüberlegtes Aussprechen soweit von uns anderen in der Bar zu
unterscheiden, bis es kein Zurück mehr gibt. Sichtbar wird, dass die
gemeinsame Welt mit ihrer Abschaffung der konfliktreichen Verschiedenheit
als Weltfrieden im Sinne des zivilisierten Weltbürgers in letzter Konsequenz
zum Verlust jeder Beziehung führt, ja zum Ende der Familie, dem Ende der
Solidarität, dem Ende der Liebe. Wir sind zu einer heilen Welt geworden,
nicht innerlich verbunden, sondern von außen definiert, gibt es nichts mehr,
was uns authentisch verbindet. Es ist das Ende der Gemeinschaft und nur
noch Misstrauen und Furcht voreinander bestimmen das Handeln.

      In den ersten Minuten saß ich nur da und schaute aus dem Fenster. Ich
verstand nicht. Man nehme sich das Recht, jedes Buch auf
menschenverachtende Inhalte oder Extremismus hin zu prüfen, wurde mir
                                     15

<!-- PDF page 16 -->

erklärt. Ein versprochener Rückruf am Freitag verstrich. Tage in denen
niemand mit mir reden wollte.
      »Mein Name ist Timothy Speed. Kann ich bitte die Geschäftsleitung
sprechen?«
      Drei Jahre hatte ich an dem Buch gearbeitet und dafür sogar über den
Winter in einem Zelt gelebt. Bei Temperaturen um die -20 Grad. Anders
wäre das Projekt finanziell nicht umzusetzen gewesen. Ein Abenteuer. Ich
musste sparen, wo es ging.
      Der Roman handelt von meiner Auseinandersetzung mit dem Konzern
Red Bull. Als ich im Sommer 2010 damit drohte, vor der Weltzentrale des
Unternehmens einen Stier zu töten.
      Ich wollte mich der Wirtschaft als Individuum auf eine äußerst
subjektive Weise bemächtigen, um zu sehen was passiert, wenn ein
einzelner Mensch es mit einem Konzern aufnimmt und diesen neu
interpretiert, damit spielt, sich etwas von jener Welt zurückerobert, die
einseitig von Firmen und deren Marken gestaltet wird.
      Dahinter steckt meine volkswirtschaftliche Theorie.
      Ich halte es für angebracht mit sperriger Subjektivität zu antworten,
die Marken individuell umzudeuten, um die Existenzgrundlage des
Menschen zu erweitern, damit mehr Individualität und Vielfalt innerhalb des
Systems überleben kann, was eine Gesellschaft auf natürliche Weise stärkt
und voran bringt. Der Weg zu mir selbst führte zur Frage, wer oder was Red
Bull wirklich ist, was es für mich bedeutet, bewirkt, wie ich damit umgehen
will.
      Ein Beispiel, welches für viele Unternehmen Konsequenzen haben
würde, gingen die Leute nur anders mit ihnen um. Ein Prozent der
Weltbevölkerung verfügt über soviel Geld wie die anderen 99 Prozent
zusammen. Diesen Prozess wollte ich umkehren. Warum ich Red Bull
wählte? Wegen des Stiers. Dem Symbol für die Märkte, dem Teufel und dem
Kampf zwischen Mensch und Natur.

      »Dem Teufel?«, frage ich. Dieser Redeschwall ist ihm wichtig. Dabei
kommt es raus, unkontrolliert.
»Können Sie mir nicht die Kurzfassung, den Keynotesprech, geben? Die
Powerpointversion oder sowas?«
      Er hört es nicht. Ich bin verunsichert. Vielleicht mag er mich nicht? Er
kommt mir fremd vor. Ich fühle mich irritiert. Vielleicht sollte ich mehr
trinken? Er spricht einfach weiter. Es kommt aus ihm raus. Niemand versteht
                                      16

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es. Noch vor wenigen Minuten waren wir einer Meinung. Es gab keinen
Grund zu reden. Es herrschte Frieden.
     Ich wusste nichts, weil ich alles wusste, was es zu wissen gab. Ich bin
ein moderner Mensch. Ich habe alles erreicht, von dem ich dachte, man
könne es erreichen. Den Konsens. Verstanden werden. Einen Platz haben.

      Vom Markt genommen wurde der Roman von einem
Kaffeeproduzenten, der den Verlag kaufte. Das Kaffeeunternehmen gehörte
einer Familie mit dem Namen Herz. Dieses Herz wollte ich erreichen. Es
war ein unbewusster Prozess. Zu diesem Zeitpunkt konnte auch ich den
tieferen Sinn nicht verstehen. Ich rede jetzt einfach weiter. Bis es klar wird.
Es wird doch klar werden?

      Er stellt immerzu neue Bezüge her, was mich irritiert. Er will es diesen
Samstag schaffen. Uns zu mehr machen, als nur Figuren in einer Bar, die
Jobs haben und Biografien und Fotos auf Facebook. Ich fühle mich schuldig.
      Alles ist kleiner geworden. Minimaler Wohnraum. Umweltverträglich.
Jeder konzentriert sich auf eine Fähigkeit und jede Fähigkeit lässt sich auf
einfache Handlungen reduzieren. Wir haben alles bedacht und dabei nicht
gemerkt, wie wir uns dadurch vereinfachten und reduzierten. Wir verstanden
die Konflikte nicht mehr. Am Ende ist nur noch Gut und Böse. Der ständige
Kampf gegen das Böse. Für mehr fehlt die Energie. Wir haben gelernt, dass
alle zusammenhalten müssen.
      Ich blättere kurz in der Speisekarte und bleibe überfordert. Zu viel
Information. Er gibt mir keine Erlösung. Die Kellnerin blickt etwas
ungehalten.
      Seit die großen Konzerne die Infrastruktur der Zivilgesellschaft
aufgekauft haben und behaupten, jedem darüber den Zugang zu unserer
schönen und bedeutenden Welt zu ermöglichen, steht jedes Wort von mir
unter Verdacht, vielleicht nicht nett und freundlich zu sein, ein Klima zu
schaffen, in dem Produkte schlecht verkauft werden.
      Hinter Konzernzentralen sitzen weitere Konzernzentralen und
niemand will die Risiken mittragen, die Entwicklungsprozesse in
Gesellschaften bedeuten. Die Kosten für Gerichtsprozesse würden an jene
weitergereicht, sagt man, die für Irritation gesorgt haben und somit die
kommerzialisierte Infrastruktur der Zivilgesellschaft bedrohten, über die
einst Revolutionen passiert sind.

                                      17

<!-- PDF page 18 -->

      Wir sind Kinder geworden.
      Eigentlich ist das Buch eine Satire. Beinahe wäre es im renommierten
S. Fischer Verlag erschienen, wurde im letzten Moment in der
Verlagskonferenz überstimmt, nach einem Jahr Begleitung durch einen
erfahrenen Lektor.
      Diese Dinge passieren. Es kostet sehr viel Mühe, einen
Entwicklungsprozess längere Zeit zu begleiten, Autoren zu fördern, bis sie
an diesen Punkt ihrer Suche gelangen. Sie klar werden. Zu einem Produkt.
Verkaufbar. Wir leben nicht in Zeiten, in denen Menschen gerne Risiken
eingehen und Ergebnisse zählen mehr als Entwicklungsprozesse. In diesen
aber steckt die eigentliche Arbeit. Eine Arbeit, die Menschen heute
überwiegend unbezahlt leisten, die im Verborgenen passiert.
      Bezahlt wird nur noch das was uns zerstört. Weil wir es kennen. Uns
daran gewöhnt haben.
      Während die Wirtschaft nur behauptet, die Gesellschaft zu erhalten
und zu ernähren, versuchen Millionen unerkannt, zur Unsichtbarkeit
gezwungen, die entstandenen Schäden auszugleichen, zu verhindern, dass
alles den Bach runter geht. Sie besaufen sich, um unordentlich zu leben, um
etwas zu fühlen. Ein Kampf gegen die Beziehungslosigkeit und die damit
verbundene Lebenslüge. Manchmal sabotieren sie sogar die Maschinerie
und fangen deren Opfer dort auf, wo sie in der Selbstreduktion einer Rolle,
die nicht mehr gebraucht wird, gestrandet sind. Es ist nämlich die falsche
Frage, die in den Firmen gestellt wird. Frage nicht, was das fertige Produkt
ist. Sondern, wie Du eine Existenz verkörpern kannst, die den Frieden der
Produktion verhindert, um die Möglichkeiten des Lebens zu vervielfachen,
was den Mehrwert erhöht und Vibrationen durch das ganze Netz schickt.
      Bereitwillig verlieren die unbekannten Weiterentwickler der
Zivilisation ihre Jobs, gelten als merkwürdig und verdächtig.
      Darin sind wir gut. Wir, die Würmer, die den Zivilisationshumus
umgraben und die großen Strukturen zersetzen. Warum ich sie jetzt Würmer
nenne? Ich weiß es nicht. Auch was mit den großen Strukturen nicht stimmt,
habe ich vergessen. Er ist zu komplex, um es zu verstehen.

     Ich drehe mich mehrmals um und beobachte die Menschen in der Bar.
Wir sind beide vom Regen ganz nass und ich friere bereits. Erst jetzt fällt es
mir auf. Das stört ihn nicht. Er hängt mir seine Jacke um und redet weiter.
Mr. Speed ist ein Mann um die vierzig, mit einem blauen Hemd und einem
Dreitagebart. Ein wenig verwildert. Plötzlich kommen mir ganz neue
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<!-- PDF page 19 -->

Wörter und Mr. Speed verbringt sehr viel Zeit damit, mir von Menschen die
durch den Rost fallen zu erzählen, als wären sie eine Form intelligenter
ArbeiterInnen. Dabei war schon alles perfekt. Die Wirtschaft. Am
Höhepunkt. Durchrationalisiert. Töte den Konsumenten in Dir!

     Das dauert seine Zeit, aber die Wirkung ist nicht aufzuhalten. Jeder,
der einen Moment am Karrierestreben zweifelt, ein Produkt wieder ins
Regal stellt, aufhört immer nur »Ja« zu sagen, ist ein solcher Wurm, ohne
den es nicht geht. Eine eigenständige Frequenz. Sinus, der Resonanz-Wurm.

     Nebenbei kritzelt er Dinge auf Blätter. Draußen regnet es wieder und
der Duft von Nebel und nasser Straße mischt sich mit dem Schweiß älterer
Männer und dem Kaugummigeruch herumlungernder Kinder. Ich kann
wieder riechen. Ein wenig kommt es zurück.

       Die Sprache der Würmer ist in ständiger Veränderung. Sie wollen nicht
Recht behalten, wissen sie doch, dass am Ende alles zerfällt. Sie sind die
Ehrlichsten unter uns. Was sie miteinander austauschen, lässt einen
Lebensraum entstehen. Sie haben das wahre Wesen der Sprache erkannt und
benutzen den Selbstausdruck als Bagger, Kran und Ziegelsteine, um neue
Zivilisationen und Ordnungen zu erschaffen. Mit Hilfe von Schwingung,
Irritation und Resonanz.
     Ich will, dass er schweigt. Es schmerzt in meinen Ohren, die bis dahin
kaum noch etwas hören konnten. Warum auch, wenn ich immer schon wusste,
was die anderen sagen würden?

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     Darum haben Menschen wie ich keine feste Identität, sondern sind viel
mehr Prozesse, Bündelungen von Augenblicken, in denen etwas passiert.

     Das stimmt nicht! Du hast einen Namen und einen Beruf. Du kannst
dich dem nicht entziehen. Du bist verantwortlich! Du hast Schuld! Nur wir
sind wichtig! Aber die Zivilisation. Du hast recht. Man muss ihr entfliehen,
um sie zu finden.

      Wird ein Wurm durchtrennt, graben beide Hälften einfach weiter,
fressen und lösen auf, scheißen und schaffen Leben. Die Verachtung durch
die oberen Etagen ist ihnen sicher, weil man dort nichts mehr fürchtet, als
eines Tages von ihnen gefressen zu werden. Die Vermeidung, die Angst lässt
sie sich abwenden, von der Grenzenlosigkeit. Die Angst vor dem Tod wird
zur Angst vor dem Leben.

      Dies sagt er voller Enthusiasmus, mit weit aufgerissenen Augen,
derartig betont, dass die anderen Gäste zu uns herüber blicken.
      Ich rühre aufgeregt in meinem Drink. Seit Speed es einfach ausspricht,
werde ich von den Männern in meinen persönlichen Eigenschaften erkannt.
Ich fühle mich impulsiv. Ich will juchzen. Erstmals habe ich das Gefühl, ich
könnte eine Entscheidung fällen und im Leben mehr erreichen. Er soll mir
erklären, wie ich diesen Zustand aufrecht erhalten kann. Wenn er es mir
nicht in zwei Sekunden erklären kann, hat es keinen Wert. Dann ist es nichts.
Nichts Konkretes. Nichts, mit dem ich handeln kann.

     Die Welt ist für Millionen darum, weil sie sich vom Tod abschotten,
wie vom ungefilterten Leben, eine in sich fertige, eine in sich
abgeschlossene Welt. Eine Sphäre. Eine die bereits gut ist, wie sie ist. Nicht
weil man sie mag, sondern weil einem keine Alternative dazu einfällt. Man
versucht es nicht. Weil es einem wie Verschwendung vorkommt.
     Ich bin doch jetzt wach, denk ich. Über die Sphären will ich mehr
wissen. Nie wieder will ich das Gefühl haben, dass alles bereits gesagt
wurde. Wie werde ich unfertig? Wie verwandle ich mich von einem
abstrakten Produkt, welches behauptet konkret zu sein, weil abgeschlossen,
wissenschaftlich bewiesen und in sich eindeutig, in einen Menschen, der in
einem lebendigen Bezug steht? Das Fertige sei das Primitive, meint er. Er

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hingegen - greifbar, aber unvollkommen. In Liebe, ohne eine feste Marke zu
sein.
      Wie halte ich das lange genug aus? Die optimierten Menschen sind zu
schwach, um die Funktion ihrer Schale gegen eine Berührung zu tauschen,
auf die sie vertrauen müssen, vertrauen, dass etwas weiter lebt. Einfach so.
Unkontrolliert. Vertrauen braucht Resonanz und Resonanz benötigt Energie,
Nähe und Konflikt. Das darf ich nicht. Ich habe Kinder.
      Hat eine Gesellschaft eine unbewusste Seele? Ist Fortschritt nicht
Gefahr? Sie sagen, dass ich die Ausbildung abgeschlossen habe. Nun wird
das Leben einfacher. Darauf habe ich einen Anspruch.
     Das ist das Wesen der Sphäre, dass sie den Eindruck des Abgerundeten,
des in sich Stimmigen vermittelt. Diese schwache Kraft, die ein Ei
zusammenhält, bis man die Schale von innen zerbricht und eine Welt betritt,
die man nicht für möglich gehalten hätte. Die Information, dass die Energie
im Ei für ein Leben ausreicht, ist um so vieles schwächer, als der Ausdruck
der Kräfte jenseits der Schale - und doch reicht sie aus, um das Küken viele
Wochen darin zu halten. Diese schwachen Kräfte funktionieren nur,
aufgrund der Naturgesetze der Sphären. Ein physikalischer Prozess, der
ganze Universen formt.

      Endlich habe ich das Gefühl loslassen zu können. Sinnliche Gefühle
kribbeln in meinem ganzen Körper. Ich will, dass er mehr von Physik spricht
und von Philosophie. Sicherlich habe ich mich geirrt und die Welt ist ganz
anders. Er soll berichten, von Dingen, die ich nicht verstehe. Die mich
derart überfordern, dass ich sie unmöglich reduzieren kann. Ich stöhne
erleichtert. Ich fürchte nichts mehr als das Urteil der anderen.
      Er legt jetzt eine Zeichnung von einem gewissen Herrn Kepler auf den
Tisch, der an ähnlichen Dingen gearbeitet hat. Auch erwähnt er etwas von
Mandelbrot´s Apfelmännchen und von Fraktalen, aus denen man
unterschiedliche Körper bauen kann.

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      Wusstest Du, dass jeder Buchstabe sich vom Abschnitt einer Spirale
ableiten lässt und jede Spirale Sphären bildet?

     Ich ziehe mich aus. Ich erschrecke vor mir selbst und meine Arme
verweigern sich mir. Es ist mir nicht erlaubt, über solche Dinge
nachzudenken. Ich könnte sie mit meinem subjektiven Inneren beschmutzen.
Zahlen haben keinen Klang. Das Ideal der Ordnung ist der Tod.
     Er berührt mich an der Hand. Ich zucke zusammen.

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     Ich will verstehen, warum der moderne Mensch die, von außen
betrachtet, naheliegenden Veränderungsschritte nicht schafft, obwohl es nur
eine Eierschale zu durchbrechen gilt. Spürst Du auch jetzt das Bedürfnis,
Dich ins Gewohnte zurückzuziehen? Feigling! Schwachkopf! Kind! Bei der
geringsten Anstrengung willst Du fortlaufen und hältst es für legitim, weil
sie Dir eingeredet haben, der leichte Weg sei der bessere Weg. Das
Persönliche erscheint Dir gefährlich, weil es kein abgepacktes
Hochglanzprodukt ist, steril, angepasst und eingeordnet.
     Einfach mal eine andere Physik fantasieren! Das Konkrete fort stoßen,
weil es sich in mein Fleisch drückt, mich einengt. Dornen überall.
Verletzungen durch Sicherheiten.

     Ich fühle mich zu ihm hingezogen. Er sagt, ich, Mr. Bob, sei wie
Distanz und er wie Nähe. Vielleicht nur eine Verwechslung. Ich sei ein
Prinzip und nicht nur eine Person. Ich sei ein Redaktionsleiter, sage ich
schüchtern. Er mag es, dass ich lache. Darum tue ich es nicht. Schmerz ist
was ich fühlen will, um zu erfahren wer ich bin. Als optimierte Menschen,

                                    23

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sind uns die Zahlen näher als die Emotionen, die Regeln näher als der Bruch.
Da ist es nur logisch, dass Speed versucht, die Wissenschaft zu lieben.
Warum denn in der Ferne nach Nähe suchen, wenn die Maschine einem am
nächsten ist? Was sind wir nur für Wesen? Mehr Konzept als Körper. Ein
Zustand, zu dem er mich inspiriert, um zu verstehen. Ist es eine Performance?
Ich taumle. Oder meint er wirklich mich?

       Wie funktionieren die Sphären? Sag doch endlich! Wie werden sie
erschaffen und wie lassen sie sich überwinden? Diese Frage stelle ich mit
einer Intention. Ich will wissen wie man darauf eine Wirtschaft und
Gesellschaft baut. Ist es überhaupt Wirtschaft? Will ich nicht nur leben?
Genährt werden, auf allen Ebenen. Welches Wort ist mir nah? Warum
schreibe ich darüber nicht wie ein Wissenschaftler, denkst Du Dir vielleicht?
Weil die Sprache die Realität verzerrt, wenn sie nicht mit der Resonanz des
Moments spielt, mit der Unmittelbarkeit. Wir sitzen in einer Bar, verdammt!
Und ich habe schon zwei Bier getrunken. Wahrheit ist vielleicht etwas was
jetzt sein kann, nicht akademisch anerkannt ist, wenn sie passiert. Unschärfe
kann präziser sein. Weil unvorbereitet verpackt. Oder aber erst später, durch
weitere Diskurse und Begegnungen und Beziehungen genährt und in
akademische Bahnen gelenkt, ohne dabei zu erstarren.
       Das aber nennen wir Poesie. Sich einem Thema anzunähern, dabei das
Innerste zu riskieren und es in großer Verletzlichkeit ins Äußere zu tragen,
wo es eine Differenz erzeugt, die Nähe inspiriert und Berührung. Oder totale
Ablehnung. Kräfte werden sichtbar. Die Persönlichkeit wird sichtbar. Der
ganze Raum, aus dem heraus jemand spricht. Wie das Bild von Fingern die
tatsächlich eine raue Oberfläche zum ersten Mal berühren und sich ihrer
Selbst, ihrer Sinnlichkeit gewahr werden. Sprache zu leben bedeutet
Missverstehen zu erleben, zu berühren, als sei es Liebe.
       Ich. Marktplatz. Investment. Verwirrung. Der Kurzschluss ist das Aha
der Apparate.
       Das Fernsehen ist ein Ausdruck, der nur in eine Richtung brüllt und
wie jeder Impuls in uns, der keine Reflexion erfordert, flacht dieser mit der
Zeit ab. Es bleibt das Gefühl der Leere zurück.
       Westhafen. Blankocheck. Zusammenhangslos.
       Dieser leere Raum ist der Zwischenraum zwischen den Sphären, wo
Resonanz zu wenig Übertragungsenergie erzeugt, um die Beziehung zu
erweitern, wodurch sich eine begrenzte Sphäre bildet. Diese Begrenzung der
Schwingung entsteht dabei entweder, weil starke Kräfte in der Bewegung
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einen Impuls überspielen, oder weil im leeren Raum kein Kontakt mit
anderen Impulsen stattfindet, die Entfernung zu groß ist, um Resonanz
aufzubauen. Das Produkt muss vom anderen Produkt getrennt werden. Die
Unterscheidbarkeit darf sich nur über den festgelegten Wert erschließen.
Dieser muss klar kommuniziert sein.
       Die Dekonstruktion ist ein geistig-physikalischer Prozess. Eine
Wirklichkeit, die ich nur anders beschreibe, als ein Physiker es tun würde.
In eben dieser anderen Beschreibung jedoch wird etwas sichtbar, was neu
ist. Sie haben gesagt, die Emotionen hätten nichts mit Physik zu tun, damit
wir die Mechanik der Beziehung nicht begreifen. Sie haben gesagt, die
Physik hat nichts mit Emotion zu tun, damit wir die allgegenwärtigen
Bezüge nicht sehen. Darum ist es nur konsequent über die Physik nach der
Liebe zu suchen und über die Liebe nach dem Wie zu forschen, statt einfach
eine unbewusste Funktion zu leben. Abgeschnitten, isoliert und ohne
bewegt zu sein.

      Sein Ansatz, die Wissenschaft komplett umzubauen, in dem man sie im
Suff subjektiv nochmal durchlebt, um dann Abweichungen zu finden, ist
umstritten.
      Einige Wochen später begleite ich ihn zur Fakultät für Biochemie, wo
er vor den Studierenden Formeln umbaut. Er ersetzt Zahlen mit Wörtern wie
»liebevoll« oder »Verkehrskontrolle« und meint zu ihnen, dass er intuitiv
Informationen in einer anderen Sprache sammeln würde, wodurch man die
Vorgänge multisinnlich und ganz neu erfassen könne. Zwischendurch - er
baut die Formel eines Studenten, der Experimente an Mäusen durchführte,
um - fangen alle zu lachen an. Sie lachen mehrere Minuten. Es ist
unheimlich. Ich lasse mich fallen. Zwischen Gedanken. Die Geburt eines
abstrakten Wesens, in den Schmerz hinein. Der erste Kontakt mit Sinnen, die
mir bisher verborgen waren.
      Es ist eine bedeutende Zeit. Ich bin dabei und Speed spricht alles aus.
Radikal und unabgesprochen.

     Das elektronische Übertragungsmedium ist keine demokratische
Technologie. Mit abgestorbenen Nerven, von flimmernden Bildschirmen
geschliffen, überträgt sich zunehmend weniger Information die in sich
Resonanz ist, magnetisch, anziehend, inspirierend. Entvölkerte
Landschaften, kraftlose Dörfer, Supermarktparkplätze überall. Die
KonsumentIn sitzt in der Sphäre, die ein Produkt ist, die zunehmend kleiner
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wird, mit einer Schale, dick und hart wie Stahl. Das ist die Krankheit dieser
Zeit und sie wird noch schlimmer.
      Ich will den eigentlichen Vorgang begreifen, der uns zur Geisel einer
Wirtschaft macht, die das nicht hält, was sie verspricht.

     Ich brauche jetzt einen Whiskey. Mein innerer Kontrolleur will bereits
nach der praktischen Umsetzung fragen und was es wohl kosten wird. Speed
empört sich und wird immer lauter. Er singt einen schrillen Ton, so schrill,
wie ich ihn noch nie gehört habe. Immer höher kreischt er und der Putz
bröckelt von der Decke. Ich erwarte ängstlich die Entdeckung eines
weiteren Sinnesorgans. Die Kellnerin bringt ihm noch ein Glas und ein
jüngerer Typ rückt näher, um seinen Ausführungen zu lauschen.

      Sie haben wieder beschlossen, die Investitionen zu erhöhen, um der
Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Wenn Du das hörst, dann bedeutet es nur,
dass wieder eine Lieferung bei denen eintrifft, welchen die großen Konzerne
gehören. In einem gleichgeschalteten System sich spiegelnder Globalplayer
fließt jede Investition wie auf dicken Autobahnen direkt ins Zentrum. Nichts
kommt bei den Leuten an. Nichts verzweigt sich in die vielfältigen Bereiche
des Lebens, wo daraus neue Ideen, Ansätze, Prozesse entstehen würden. Die
Milliardenpakete verändern nichts, solange die Sphären nicht schwingen
und vielfältige Resonanzen durch Abweichung bilden, sondern stärken nur
jene, die uns am Boden halten.
      Haltet die Milliarden zurück, bis wir die Chance haben, die Schale zu
durchbrechen und einen Austausch zwischen uns zu organisieren! Jenseits
des Internets und jener Infrastrukturen, die uns vereinfachen, damit die
Konzerne unseren Dialog in die Form der Massenkultur zwingen können,
um zu bestimmen, wie wir uns austauschen - damit sie daran verdienen,
davon Energie abziehen. Haltet die Milliarden zurück, bis wir einander
erkennen und wertschätzen können! Direkt und mit einer eigenständigen
Sprache, die nicht alle Energie und Aufmerksamkeit sofort ins Zentrum
lenkt, weil sie uns marktkonform reduziert, die Rituale, die sie uns
aufzwingen, nicht auch die Inhalte dominieren, die wir teilen. »Sprich klar
und komme zum Punkt«, bedeutet nur: »Liefere deine Lebenskraft direkt
bei der Obrigkeit ab, und beanspruche für dich keinen eigenen Lebensraum,
keine eigene Realität, die dein Leben mit Energie und Gestaltungskraft
versorgt. Weil sie vibriert und nicht geregelt ist. Diese Aufmerksamkeit für
dein Eigenes steht dir nicht zu. Spricht jemand mit dir, so hat er durch dich
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nur zur Obrigkeit zu sprechen. Über die Alltagsstruktur, die
Massenprodukte, all jene Dinge durch die das System genährt wird.«
       Kippen sie die Milliarden über uns, rutscht das Geld an unseren
marktkonformen, erlernten Sphären ab und fällt in die Hände der wenigen,
die alles mit Produkten und Marketingstrategien aufsammeln. Die Welt, die
Freiheit, die wir nicht für uns beanspruchen und mit Leben füllen. Die
nehmen sie für sich.
       Weil wir in deren Struktur existieren, in denen wir uns nicht begegnen
können, ohne dass sie davon wissen, ohne dass sie vor langer Zeit festgelegt
hätten, wie dies geschieht.
       Sehe ich freilich aus dem Fenster, sehe ich im übertragenen Sinne
Milliarden Kugeln über dem Horizont. Gigantische Formen. Eine riesige
Welt, die einem Vielfalt vorspielt. Doch der Eindruck trügt. Ich bin die
Kopie einer Kopie einer Kopie und im Universum der Kopien fällt es
natürlich schwer, das Original, den Ausgangsimpuls zu erkennen, der zu
dieser Gesellschaft geführt hat. Sich gar vorzustellen, es gäbe andere
mögliche Ausgangsimpulse, die zu einer völlig anderen Gesellschaft führen
würden. Die Kiefer in der Monokultur kann sich einen Laubwald nicht
vorstellen und hält eine Tanne bereits für eine Revolution der Vielfalt.
       Spalten wir uns nur lange genug mit der Sprache des künstlich
reduzierten Marktes, als fertige Einheiten, von einander ab, verschwindet
das größere Bild und was entscheidet ist: Übrig bleibt nur noch die kleine
Abweichung zwischen dir und mir, die wir Individualismus nennen, weil
man uns erlaubt, das Tor zu unserer Freiheit auf eine Weise zu fassen, die
uns für immer als Marke, als Produkt begrenzt.
       Jeder spaltet Teilaspekte vom anderen und von sich Selbst ab, um in
dieser harmonisierten Welt Unterschiede benennen zu können, die einem
das Gefühl geben, Kontrolle über die Welt zu haben. Mit jeder Spaltung
werden wir weniger. Unfähig komplexere Lebensformen, Gedanken,
Emotionen zu integrieren. Ein wenig Selbstbestimmung. Weil es
Abtrennung bedeutet, also eine Reduktion der Breite der Wirklichkeit,
schließt es uns auch vom Wissen über die Existenz in ihrer ganzen Breite
aus. Schrittweise und ohne dass es große Wellen schlägt. Das Wissen in den
Beziehungen, in den vielfältigen Kontexten, verschwindet einfach. Die
verwendete Sprache, die Rituale der Arbeitswelt, sie reduzieren uns. Das
schafft Vorurteile aus Distanz und Selbstverlorenheit aus nicht mehr
stattfindenden, authentischen Begegnungen. Alles fließt ins Zentrum. Alles
fließt zu dem einen Prozent, dem alles gehört. Sie sind der blinde Fleck des
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Systems. Nur wegen ihrer Gier muss der Rest der Bevölkerung durch
Umverteilung versorgt werden, was Schuld bedeutet. Schuld gegenüber den
Herren. Versteckt als Schuld gegenüber dem Nachbarn, der noch Arbeit hat
und Steuern zahlt. Missverstehe mich und wir sind gezwungen uns
tatsächlich anzunähern! Ich will nicht glatt sein und austauschbar.
      »Missverstehe mich«, ruft einer der Trinker an der Bar. Sie alle
stimmen ein und strecken ihre Fäuste nach oben: »Missverstehe mich!
Missverstehe mich!«
»Das ist die Revolution«, sage ich und die Jungs an der Bar lachen wie
kleine Kinder. Suchen sofort die Distanz.
      Als Wurm will ich den Boden umgraben, dafür sorgen, dass das
Wasser auch die hinterste Wüstenlandschaft erreicht und Lebendigkeit
wächst. Davon aber verstehen die Politiker heute nichts mehr. Sie wissen
nicht, wie man eine starke Wirtschaft, eine starke Zivilgesellschaft aufbaut.
Oder sie wollen es nicht wissen. Die Populisten behaupten es zu wissen und
sind nur weitere Diener der Spaltung.
      Doch wie ist das passiert?
      Mit der Manipulation der Sphären ist es den Inhabern der großen
Konzerne, aber auch den schweigenden Massen gelungen, die
Lebensenergie oder die kreative Kraft der Natur auf eine Weise zu
manipulieren,       die     Menschen      in     einem      Zustand      der
Entwicklungsverweigerung hält, in einem Leben gegen sich selbst und
gegen den Flow gerichtet, um in einer von außen vorgegebenen Rolle zu
funktionieren, bis sogar einfache Überlebensinstinkte nicht mehr anspringen.
Eine Form der sanften, schleichenden Selbstzerstörung, die in unserer Zeit
dominiert. Der Klimawandel und die Unfähigkeit die Lebensweise zu
ändern. Sucht und Abhängigkeit. Die Armut, die noch immer nicht
überwunden ist. Warum nur machen über 90% der Menschen nicht einen
einzigen Schritt? Ohnmächtig stehen wir den Kräften des Marktes, jenen der
Sphären mit den dicken Schalen gegenüber. Dabei sind diese Kräfte
schwach und wohl kaum in der Lage, einen Stier zu halten. Es ist keine
Armee, die den Menschen morgens zur Arbeit zwingt. Es ist keine Armee,
die den Konsum sinnloser Produkte fordert, an denen die Vielfalt der Natur
erstickt.
      Alles soll leicht gehen. Wofür haben wir denn auch die Technologien,
die uns scheinbar das Leben vereinfachen? Wir vertrauen auf das Internet.

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Im Internet ist alles ja noch viel mehr möglich. Jeder hat ein Profil und alle
Profile kopieren einander, um hip und akzeptiert zu sein. Immer vorwärts
gehen. Weiter gehen, bitte!
      Es gibt heute keinen starken Gegenentwurf mehr. Dabei spreche ich
nicht vom kollektiven Plan, sondern von individuellen Antworten,
Zivilcourage und die Kraft des Individualismus.
      Die neuen Generationen haben zu wenige Gegensätze und
Widersprüche erlebt. Kein kalter Krieg, kein großes Unrecht, welches dich
selbst im tiefsten Inneren berührt. Die Krisen passieren stets am anderen
Ende der Welt. Kaum sind sie entstanden, wird auch schon eine Lösung
angeboten. Eine naheliegende. Wie kann etwas naheliegend sein, wenn es
so weit weg passiert, dass ich es nicht berühre, dort niemanden kenne, nicht
wissen kann, was dort tatsächlich passiert?
      Eine Zeit der Angleichung und Annäherung aller Kontraste, die uns
lahm macht. Die Macht des Fake ist allgegenwärtig, wie das Streben nach
Sicherheit.
      Sie haben mir eingeredet, die Krise, der Krieg, die Konflikte seien
überholt und verwerflich. Die äußeren wie die inneren. Wie aber soll sich je
etwas ändern, wenn es niemanden mehr gibt, der extrem anderer Meinung
ist? Der Krieg entsteht nicht, weil es Konflikte gibt, sondern weil man zu
lange die Konflikte ignoriert.
      Der unbewusst bleibende Konflikt ist der eigentliche Treibstoff jeder
Industrie. Ihre Essenz. Darum darf der Konflikt sich den Leuten nicht
erschließen. Er darf ihnen nicht nahe kommen, sondern muss über die
manipulierten Sphären zu einem abstrakten Phänomen werden, um welches
sich Polizei und Militär kümmern. Es braucht Regeln, Richter, Menschen,
die Konflikte einordnen, von außen. Nur wo Tabus und Verbote existieren,
kann die innere Reibung, das Zweifeln des Bewusstseins vom Individuum
fern gehalten werden, um über dieses Kontrolle und Macht auszuüben. Das
authentische Innere muss dann versteckt werden, gibt es keine offenen
Diskussionen über die dunklen Gedanken und Gefühle und die daraus
entstehende Reibung wird abgeführt, in von der Industrie angebotenen
Alibihandlungen, wie Arbeit oder Massenunterhaltung. Darum muss im
Sinne der Industrie der Konflikt immer ein Feind der Menschheit sein und
niemals etwas, das man bewusst sucht, um die Energie zu entfalten, damit
eine innere Erkenntnis sichtbar wird. Gar als starker Impuls, der die
Gemeinschaft letztlich positiv erschüttern würde.
      Der Mensch hat sich heute von der scheinbar dunklen Seite des Lebens
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innerlich abgespalten, von den Konflikten, damit ihm diese nicht zu nahe
kommen. Ihm zu intim werden. Das echte Ich ins Licht rücken. Zum Preis,
dass es auch nicht die eigene Krise werden kann, man sich ihrer nicht
bemächtigen, sie kreativ verwandelt, nutzt, um daraus etwas Großartiges zu
erschaffen. Die wesentliche Kraft unserer Zeit ist die Anpassung, die uns
passiv passiert, wie Nebel, der ein Tal füllt. Eine leichte Brise der Anziehung,
die einen hineingleiten lässt, in vorgefertigte Leben und vergleichbare
Existenzen.
      Nur die Unterhaltungsindustrie oder der Sport bieten noch die Illusion
der Eruptionen, der Lebendigkeit, ähnlich wie der Hype nach der nächsten,
neuen und funkelnden Elektronik. Wie Süchtige - süchtig nach neuen
Spielzeugen, um sich darin zu verlieren.

      Ich denke darüber nach wie tragisch es ist, dass unser Experiment, die
Dinge einfach rauszulassen, kein Gehör finden wird. Obwohl dieser Ansatz
in Wissenschaft und Wirtschaft derart fruchtbar ist, in einer Welt, die
scheinbar keine Alternativen mehr kennt. Die Leute haben weder die Geduld,
noch die Sinne, ihm zuzuhören. Man hat in den Jahren des Studiums das
genaue Gegenteil gelernt. Die Dinge dürfen einen nicht berühren und jeder
ist bestrebt, seine Käseglocke zu finden, um sich darin wohl und sicher zu
fühlen. Was kann der einzelne schon bewirken? Wir müssen uns
zusammentun. Das Individuum hat keinen Wert. Es genügt schlicht nicht.
      Ich erkenne, dass ich mich distanzieren will.
      Ich bitte ihn, die Sphäre genauer zu erklären und für einen Moment
sieht er mich irritiert an. Seine Augen sind ganz feucht, als kämpfe er mit
sich. Es ist keine Genauigkeit, es ist Liebe, Liebe die zuerst mit der Maschine
erlernt wird. Eine Liebe zum Detail. Eine Zärtlichkeit und eben keine
distanzierte Klarheit.

     Zwei Dinge musst Du aus Deinem Verstand streichen! Zwei
Erkenntnisse sind extrem wichtig, um zu begreifen, wie die Sphären sich
bilden. Es gibt keine gerade Linie und es gibt keinen konkreten Punkt. Diese
Dinge existieren in der Natur nicht. Sie sind nur abstrakte Grundannahmen,
die auf beschränkter Wahrnehmungsfähigkeit beruhen, ja sogar die
Wahrnehmung direkt reduzieren.
     Warum sagt er das? Kann er nicht weiter von romantischen Ideen
sprechen? Warum im Materiellen verweilen und die Existenz daran

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zerschellen lassen? Ich will seine Stirn berühren, mit ihm fortreisen.
      Das mag Dir abstrakt erscheinen, aber es hat hohe gesellschaftliche
Relevanz. Wenn es keine Gerade und keinen Punkt gibt, wenn also die
Realität keine statisch feste Größe ist und der direkte Weg nicht existiert,
ohne auf diesem spiralförmig die echte Welt zu integrieren, warum dann
bauen wir alles in unserer Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft, auf
der Vorherrschaft von Geraden und Punkten auf? Also auf der Essenz jeder
Mauer, jeder Form der verfestigten Sturheit. Was bewirkt diese Reduktion
lebendiger, organischer Vorgänge? Sie führt zu der falschen Annahme, die
Materie, die Wirtschaft, die Natur sei auf exakten Größen begründet,
weshalb indirekte, unbewusste oder auf mehr Komplexität beruhende
Auswirkungen nicht einkalkuliert werden. Treten diese dann zutage, geht
der moderne Mensch davon aus, die Welt nicht ausreichend exakt erkannt
zu haben, statt zu verstehen, dass die Natur nicht exakt ist. Als Reaktion
darauf lügt der moderne Mensch einfach. Weil es doch stimmen muss. Es
doch die Aufgabe der Autoritäten in Wissenschaft und Wirtschaft ist, das
Exakte zu erreichen und eben nicht das Menschliche. Weil der Mensch eine
Ideologie ist und keine Realität.
      Die Natur ist nicht exakt, Ihr Hackfressen! Ihr erschreckt vor mir. Es
ist nur die Entdeckung der Wut. Hört meine Schreie! Noch sind sie wie ein
Kreischen in der Nacht. Bald schon werdet ihr darin Worte erkennen!
      Physik und Wissenschaft sind politische Größen. Es sind
Kulturpraktiken, die von oben nach unten diktiert werden.
     Ich will ihn rechtfertigen. Sagen, dass es nur ein Experiment ist. Ein
Gedankengebäude. Sicherlich wird es bald eine Beweisführung geben.
Niemand darf sich subjektiv der Wissenschaft bemächtigen. Zuerst die
Wissenschaft. Dann die Realität. Es ist kein Mittel der Weltgestaltung. Es
gestaltet lediglich die Welt, weil diese so ist. Macht. Dominanz. Sicherheit.
      Jede Morphologie, jede Formbildung in der Natur, sei es die Gestalt
von Vögeln, die Art wie sie fliegen, der Aufbau von Atomen oder die
sozialpsychologischen Dynamiken zwischen Menschen, lassen sich mit
wenigen Grundprinzipien herstellen, die aber Tendenzen sind,
Möglichkeiten, Formen des Zusammenspiels. Konkret in der Berührung
aber unpräzise in der Ausführung. Während die Schöpfungen des
wissenschaftlich optimierten Menschen präzise in der materiellen
Ausführung sind, aber weitgehend unbewusst in den Bezügen und

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Auswirkungen.
      In diesem Moment kommt es mir wieder total absurd vor, dass er hier
in dieser Bar die hochkomplexe Physik des Universums zu erklären beginnt,
als wäre dies ein Hörsaal. Als habe Wissenschaft etwas mit Politik zu tun.
Als habe die Politik sich der Wahrheit bemächtigt. Das habe ich nicht
gewollt. Er sollte nur frei sprechen. Ich habe nicht gewollt, dass dies
passiert. Ich fühle mich von mir selbst getrennt. Will ihn berühren. Vertraue
ihm, dass diese Details seine Art sind, Liebe auszudrücken. Er kann nicht
anders. In diesem Zustand kann er nicht wissen, dass er das nicht darf. Noch
ist Hoffnung. Ich bete, dass sie ihn dafür nicht zu hart bestrafen werden.
      Umso mehrdeutiger eine Sprache, umso mehr Bedeutungen jedes Wort
haben kann, umso höher entwickelt ist sie. Weil diese unscharfe Sprache den
Kontext zu einem Teil von sich selbst werden lässt. Wir besaufen uns, um
die Welt zu verstehen. Dabei kommt alles anders. Jedoch nicht willkürlich,
sondern entsprechend unserer konkreten Existenz, in diesem kleinen Raum.
Nur dieser Moment ist real. Ich meine das radikal. Spreche ich mit Ihnen,
Mr. Bob, habe ich den Eindruck, dass zwischen uns eine andere Welt
möglich ist, ja möglich sein muss, wollen wir jemals authentisch einander
als die begegnen, die wir sind. In letzter Konsequenz kann es darum nur eine
Realität geben. Diese hier.
      In der Irritation kann diese Sprache mehr Information übertragen, weil
sie mit der ganzen Realität, mit allen gerade relevanten Dimensionen formt.
Statt eine Schulbuchphysik zu manifestieren, die wir einfach nicht sind.
Darin steckt doch Hoffnung. Hoffnung für den Menschen. Sehen Sie denn
nicht, dass wir in diesem Raum eingesperrt sind. In dieser Sphäre. Viel zu
lange schon.
      Gleichzeitig ermöglicht es diese Sprache, die ich hier mit meiner
ganzen Existenz auslebe, überall und in jedem Moment, eine breitere, eine
komplexere Wirklichkeit zu erschaffen, die höhere Formen der Intelligenz,
komplexere Lebensformen abbildbar macht. Sprache ist ein Prozess der
Weltgestaltung. Wir aber benutzen Sprachen, in denen die Wörter und
Begriffe nur eine Bedeutung haben und nennen das Fortschritt. Weil es
genauer zu sein scheint. Die wahre Liebe, Mr. Bob, ist nicht denkbar, ohne
die subjektive Realität, als die konkrete Wirklichkeit anzunehmen.
      Das Universum ist ein holografisch-synästhetischer Ereignishorizont.
Das ist Masse in ständiger Veränderung. Wobei es Masse gibt, die wir nicht

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sehen, nicht hören, nicht messen können. Das ist meine Freiheit.
     Sie ist dennoch da. Manche nennen sie dunkle Materie. Die Begriffe
sind nur Spiegelungen von Eigenschaften der holosynästhetischen
Unschärfe. Die Worte bilden Platzhalter, die wegen ihrer Unschärfe nur im
Kontext Bestand haben. In diesem Moment, da ich im Rausch den Bereich
der Physik berühre und sich Prinzipien des einen in morphologische
Ausformungen des anderen übersetzen. Jede Form kommt aus derselben
Unschärfe und wird nur durch Abwesenheit von Resonanzenergie, durch
Materialisierung und Verdinglichung zu einer scheinbar festen Form, einem
scheinbar klaren Gedanken. Es liegt an uns.

      In diesem Moment zeigt ein Mann auf ein leeres Bierglas und sagt
„Schwester“. Der Wirt sieht ihn verdutzt an und meint, er habe gerade an
seine Schwester gedacht, die gerade im Krankenhaus liegt. Vielleicht müsse
er sich kümmern und das Glas nachfüllen, meint der Gast. Der Wirt packt
seine Sachen und fährt ins Krankenhaus.
      Es macht mich nachdenklich. Etwas passiert gerade, aber ich kann es
nicht erklären. Ist es möglich, dass wir in unserer Bar gerade neue
Naturgesetze erschaffen haben, die nur hier gültig sind? Die gleichzeitig ein
politisches Manifest darstellen? Denkt Speed etwa an die Möglichkeit, dass
die Zeugen dieser neuen Physik, in ihrem unmittelbaren Kontext das Ende
der Unterdrückung des Menschen davon ableiten? Lebt nur ein Mensch in
einer anderen Physik, könnten wir uns auf Auswirkungen jenseits des
Fleisches beziehen und uns grenzenlos erweitern. Schwingen zwischen
innen und außen. Eine Dynamik reich an Energie und Potenzial.

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      Jedes Objekt oder Lebewesen lässt sich aus dem Zusammenspiel von
polarer Dynamik, Resonanzschwingung, hoher Energie, niederer Energie
und Information (Bewegungschoreographie) bauen. Das Zusammenspiel
dieser Kräfte, die man auch Dimensionen nennt, ist dabei entscheidend. In
einem fluiden Universum, einem Gravitationsmeer, indem alles aus sich
selbst heraus entsteht, entwickeln sich diese fünf in der Bewegungsdynamik

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(Tanz). Sie bedingen einander, sind aber nur unterschiedliche
Ausdifferenzierungen desselben. Wobei die Dimensionen wie alles im
Universum aus dem Wechselspiel zwischen Spaltung und Integration
entstehen.
      Die abgespaltenen Formen werden dadurch stabilisiert, dass sie im
Moment ihrer Entstehung gleichzeitig auch zerfallen und dieser
Zerfallsprozess die Einzelform in die Gesamtordnung einbettet. Sonst
würde die Natur plötzlich neue Naturgesetze in einem Tier verwirklichen,
oder in einem Stein. Der Tod begrenzt die Möglichkeiten der Abspaltung.
Es gäbe sonst willkürliche Entwicklung. Weil die Geburt ein Impuls ist, der
morphologische Information ins Lebensmeer der vielfältigen Wellen und
Kräfte bläst, sich dort aus dem Nichts das Sein heraus kristallisiert, bildet
sich zunächst eine vom Rest des Universum abgespaltene Form, als
abgespaltenes Angebot. Ein Individuum. Eine einzelne Sphäre. Da dieser
Impuls in einem in sich geschlossenen System immer einen Gegenimpuls
auslöst, wird im selben Moment auch die Information des Todes ins Lebens-
oder Gravitationsmeer übertragen. Diese übermittelt wie der Impuls der
Geburt stets Resonanzinformation über die Gesetze und Formen des
Gesamtsystems. Wie das Echolot einer Fledermaus übertragen Geburt und
Tod die Informationen der Umwelt auf die entstehende Form. Aus diesem
polaren Zusammenspiel der Kräfte bildet sich im Gravitationsmeer eine
Spirale, also eine begrenzte, dynamische Kraft. Es ist die Geburt einer
Sphäre. Auf diese Weise entsteht die Form von Fischen, Blättern, Kulturen,
Bergen oder Universn. Der Zerfall folgt einer Ordnung, die alles Leben
einbettet, in die größere Ordnung. Die Homogenität unserer Welt liegt am
Zerfallsprozess jeder Morphologie, entlang der großen Ordnungsprinzipien.
Magnetismus, Bewegung, hohe oder niedere Energie, oder Polarität. Weil
alles nur vorübergehende Abspaltung dessen ist, was gerade dabei ist, sich
wieder zu integrieren, weisen die Elemente verbindende Ordnung auf und
auch diese sind wie Sprache, Kultur, das Aussehen von menschlichen
Körpern, durch Abspaltung in Sphären entstanden. Ebenfalls die Zustände
von Materie. Man könnte sagen, dass alles was isoliert betrachtet werden
kann, eine Sphäre darstellt. Also einen resonanzschwachen Raum mit
weitgehend ausgeglichenen polaren Kräften, zu wenig Energie, um in
komplexere Schwingung zu geraten, oder zu hoher Distanz, um
Magnetismus aufzubauen.
      Wobei das Sterben von universalen Kräften herbeigeführt wird, die
den Aufbau im Sinne des Ganzen korrigieren, wodurch ein dynamischer
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Prozess zwischen Leben und Tod, zwischen freiem Willen und
Vorbestimmung entsteht, zwischen dem wir uns verwirklichen.
      Die Kellnerin bleibt jetzt berührt stehen und sagt: »Ich weiß, warum
du das machst. Du hast die Schnauze voll, dass dir immerzu andere sagen,
wie die Welt ist. Jetzt beschäftigst du dich selbst damit und schreibst die
verdammte, verkackte Physik um. Das ist doch logisch. Man muss sich die
Welt zurückerobern. Selbstständig denken und wenn dann was rauskommt,
was anders ist, als das, was die Professoren sagen, umso besser. Dann
haben wir wieder was zum Austauschen. Das ist doch ein Markt, oder nicht?
Eine Kultur. Plötzlich haben wieder alle Arbeit. Würde die Welt nur komplex
genug. Somit kommen wir einander näher. Müssen dem Fremden begegnen.
Das ist es doch, der Grund, weshalb der Speed uns hier quält. Ihr müsst ihn
verstehen Leute! Das ist wahrer Heldenmut.«
      Sie geht auf ihn zu und gibt ihm einen Kuss auf die Stirn. Dann stellt
sie uns ein paar Getränke hin und sagt nüchtern: »Geht aufs Haus!«
      Früher versuchte man die Verhältnisse von Dimensionen mit Begriffen
wie Luft, Wasser, Feuer, Erde und Äther zu beschreiben. Es sind
Grundprinzipien der Formbildung, sprich der Prozesse in der Natur.
Natürlich bedeutet das nicht, dass man mit einem Bunsenbrenner, einem
Eimer Wasser, etwas Puste und einem Klumpen Lehm einen Schmetterling
bauen kann. Und die Planeten sind auch nicht, wie im Sphärenmodell des
Mittelalters missverstanden, an geometrischen Figuren wie Oktaedern
aufgeklebt. Vielmehr wird darin zum Ausdruck gebracht, dass die Natur auf
Kräften basiert, die in einem Ungleichgewicht und gleichzeitig in einem
Bezug zueinander stehen. Wie Materie und Antimaterie. Gäbe es nicht
weniger Antimaterie als Materie, wäre unser Universum nicht möglich. Es
würde an Energie, Form bildende Information und polarer Wechselwirkung
fehlen. Es sind geometrische Bewegungsdynamiken, Gesetze der
Formbildung in lebendigen Organismen, die alles möglich machen. Die
Natur erschafft ohne Gerade, ohne Punkt, lediglich in Annäherung an
selbstähnlichen Bewegungskreisläufen, innerhalb eines Gravitationsmeeres.
Das kann man sich so vorstellen, als sei dieses Meer einer Zeitlupe
vergleichbar. Ein Haus wird darin bewusst schief aufgestellt. Es fällt dann
in Millionen von Jahren langsam um. Während es dies tut, bilden sich aus
Luftwirbeln neue Universen, Gedanken, Lebensformen, die in sich schneller
ablaufen. Stabilität ist hier eine Täuschung, die auf reduzierter

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Wahrnehmung beruht. Zeit ist nur eine Welle zwischen zwei Punkten,
zwischen zwei sich ausgleichenden Energiezuständen, die sich wie die
Gangschaltung eines Fahrrads, ineinander verzahnt, mal in stärker, mal in
langsamer beschleunigter Masse äußert.
      »Bravo, weiter so«, schreit einer der Jungs und hebt das Glas: »Mach
sie alle fertig!«
      In diesem Moment wollen wir es aushalten. Ich bin überzeugt und
glaube daran, dass was er tut, eine politische Konsequenz hat. Dann fällt
mir auf, dass die Typen an der Bar irgendwie intelligenter aussehen als noch
vorhin. Ihre Gesichter sind anders. Wir sind Persönlichkeiten geworden.
Persönlichkeiten mit Irrtümern, die wir nur noch zu lieben lernen müssen.
      Wir überbewerten das Konkrete, das Genaue und unterbewerten die
Rolle des Unscharfen und Individuellen, wodurch wir Zusammenhänge die
nicht unmittelbar sichtbar oder messbar sind, ausschließen. Auch geben wir
der direkten Kraft den Vorrang gegenüber den indirekten Kräften und
Auswirkungen. Darum funktionieren unsere Systeme und Institutionen
derart schlecht. Für mich tun sie das jedenfalls. Sie sind nicht in der Lage,
aus sich selbst heraus Lebendigkeit und Energie zu schaffen, weil sie nicht
mit dem Flow der anderen Aspekte und Kräfte mitgehen, um den eigenen
kreativen Willen in einem lebendigen Kontext zum Ausdruck zu bringen,
wie es jedem Baum, jedem Tier gelingt, welche sich in einem ständigen
Austausch, in gegenseitiger Stärkung, mit der Umwelt befinden. So
entziehen unsere Systeme dem Umfeld Energie, um die Einseitigkeit eines
lebensfeindlichen Strukturaufbaus künstlich aufrecht zu erhalten. Eine
Struktur, die nur wachsen, aber nicht sterben will. Der Drang zur exakten
Schärfe verlegt den Fokus abseits der unmittelbaren Wirklichkeit.
      Der optimierte Mensch ist unter Schalen von Sphären vergraben, lebt
mangels lebendiger Resonanz am authentischen Fixpunkt des Moments
vorbei. Mann muss wissen, dass die Innenflächen der Sphären verspiegelt
sind. Man sieht irgendwann nur noch sich selbst und spricht lediglich mit
den verschiedenen Schalen der Sphäre, während die freie Gestaltungskraft
zunehmend schwindet. Der Beamte tut dies, wie auch die Mutter, die das
erlernte Gute zitiert, oder der Forscher, der die Selbstbezogenheit der
erlernten Methodik nicht erkennt.
      Die Mechanik der Sphären, Mr. Bob! Es ist da. Ich muss es nur
aussprechen, begreifen, berühren. Eine unheimliche Macht legt es frei. Aus

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dem Unbewussten drängt es ans Licht. Das Wissen ist da. Es ist aber
vollkommen unmöglich es auszudrücken, solange ich mich kontrollieren
muss, solange ich mich auf das Objekthafte konzentriere, auf das Fertige, in
sich Abgeschlossene.
     Einer der Stammgäste klebt jetzt große Blätter an die Wände und hat
darauf Sphären und Bezüge gemalt. Natürlich ist fast alles falsch verstanden.
Seine Worte sind als Prozesse und Ereignisse gemeint. Nicht als feste
Begriffe. Es stimmt was gerade stimmt. Die Poetisierung der Welt. Er kann
von einem Fahrrad sprechen und dabei meint er das Muster des Reifens,
welches in diesem Moment nur relevant ist, weil es auch dem Muster auf
dem Teppich vor uns ähnelt und sich darin das Verhältnis zwischen Wellen
abbildet.

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     Lässt man die Dimensionen frei tanzen, also sich bewegen, weil sie
sich in einem Gravitationsmeer sich nur einander in Selbstähnlichkeit
spiegelnd verwirklichen, bilden sie stets eine Spirale. Einen unheimlichen

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<!-- PDF page 40 -->

Sog.
     Ich denke einen Moment darüber nach, dass eine Spirale nichts
anderes ist als eine Sphäre, wenn man von einer Seite darauf blickt, und eine
Welle, schaut man von der anderen Seite darauf.
     Ich bestelle uns noch eine Runde. Immer tiefer fallen wir und machen
uns schuldig an der Aufklärung. Ohne zu wissen, dass dies ein dritter Weg
ist.
     Für einen Moment reißt der Flow ab und es wird ganz still im Raum.
Wir warten gebannt. Er atmet einmal tief durch und nimmt einen kräftigen
Schluck. Alles fließt. Ich will ihn an der Schulter berühren. Noch nie ging
mir die Wissenschaft so nah. Die Bar ist jetzt ein eigenes Universum.
Manchmal verschieben sich die Wände und durch diese Türe zu gehen
erscheint mir unvorstellbar.
     Die Heiterkeit ist einem ernsthaften Lernen gewichen und jeder neue
Gast, der den Raum betritt, dreht aus Angst sofort wieder um und geht. Dies
passiert extrem schnell. Als ob wir uns in einer anderen Zeitzone befänden.
Man reicht sich gegenseitig die Bleistifte der Kellnerin, um Notizen
anzulegen. Jetzt, da der Wirt verschwunden ist, schenkt man sich selbst nach
und die Kellnerin hat sich ihre Brille aufgesetzt. Die meisten von uns haben
schon etliche Drinks konsumiert, weshalb sie nicht mehr klar sprechen
können. Draußen wieder ein Kreischen. Dennoch verstehen wir einander
besser als je zuvor.

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      Jede erdenkliche Morphologie lässt sich in Wellen kodieren und für
den Bau komplexer Lebensformen in Resonanzen speichern. Weil die
Selbstähnlichkeit der Kreisläufe die Information über die Grundformen in
Bewegungsabläufen, in Differenzen speichert und stabilisiert. Es genügen
Tendenzen von Kräften oder Impulsen, um Formbildung in der Natur
auszulösen.
      Ein genauer Ablaufplan ist nicht erforderlich und auch unsere DNA
baut im Dialog und keineswegs in Anweisung von festgelegten Befehlen.
Übertrage ich das auf die Gesellschaft, steht die Methodik moderner Politik
als wenig intelligentes System im Raum. Sie ist komplett ungeeignet, um
das Zusammenleben lebendiger Organismen zu managen. Sie müsste viel
mehr auf individuelle Verhandlung von Beziehungsverhältnissen vor Ort
setzen, die sich laufend neu anpassen, statt sich auf das permanente
Produzieren neuer Gesetze zu beschränken, die spalten und neues Unrecht
erzeugen.
       Es bewegt mich tief, dass der Mensch in unserer Physik sein muss wie
er ist. Falsch oder fremd und möglichst abweichend, damit daraus Dynamik
wächst. Polarität. Anziehung. Abstoßung. Der ungenaue Mensch oder auch

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der freie Mensch wird sich erst durch Abweichung der größeren
Zusammenhänge bewusst, die er zugleich im Sinne der Evolution in der
eigenen Existenz verwirklicht und somit ein Teil des kreativen
Gesamtablaufs der Schöpfung wird, während der rationalisierte und
effiziente Mensch der Realität entgegengesetzt eine Illusion lebt, im Dienst
an der Industrie, welche die Natur ausbeutet. Ich muss rülpsen.
      Natürlich erleben wir die Welt sinnlich nicht als unscharfes
Momentum, sondern als Formen, Lebewesen und Strukturen. Das Gehirn
reduziert die tatsächliche Unschärfe im dynamischen Bezugssystem der
Realität über die sinnliche Wahrnehmung auf Morphologien, die den
subjektiven Eindruck vermitteln, in sich abgeschlossene Körper, Räume,
Formen zu sein. Die Sphäre ist dabei die klarste, schärfste, dichteste Form
der Unschärfe. Sie ist politisch aber nicht nur schlecht, sondern biologisch
erforderlich. Sie darf aber keine zu dicke Schale aufweisen.
      Sie beruht auf Gravitation, also auf Schwingungsinformation, die je
nach Pulsrichtung im Ereignishorizont entweder dichte oder weniger dichte
Masse erzeugt. Die Schalen und Kerne der Sphären sind dabei Spiegelungen
von schwarzen Löchern. Gäbe es die Sphären nicht, hätten wir den Eindruck
in einer unendlichen Suppe, einem leeren Raum zu existieren, der zwar alles
werden kann, aber nichts Konkretes abbildet. Auf den Sphären basiert jede
Zelle, die DNA, jede Philosophie, jede Begrenzung unserer Emotionen oder
Gedanken, jedes hochkomplexe System. Sie bildet sich aus den fünf
Grundprinzipien: Polarität, Schwingung - also Bewegung, starker und
schwacher Energie, sowie Information, also Wissen.
      Gravitation ist Masseinformation, die sich aus der Pulsrichtung, dem
Atmen des Kosmos, und dem Schwingungsabschnitt ergibt. Je weiter vom
Hauptimpuls entfernt, umso dichter die Masse, umso geringer die Resonanz.
Die Kerne sind wie schwarze Löcher, die Licht, Raum und Zeit verzerren
und aufsaugen. Diese schwarzen Löcher spiegeln sich in den Zentren und
Schalen der Sphären wieder. Stehen also in Resonanz und
Selbstähnlichkeitsspiegelung zueinander in einem Verhältnis. Die Schale ist
der Kern und umgekehrt.
      Das Phänomen lässt sich über das Entstehen von Bewusstsein
beschreiben. Sobald ich gedanklich einen klaren und verdichteten Begriff
fokussiere, schließt sich um das damit verbundene Weltbild zugleich eine
dicke Schale. Ich reduziere meine Wahrnehmung, somit auch mein
Bewusstsein auf einen Resonanzcluster. Dies erzeugt eine Welle, die mich

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von anderen Dimensionen abgrenzt, abspaltet, was die Hülle der Sphäre
bildet. Diese ist schlicht resonanzschwacher Raum oder dichtere Masse.
Fokussiere ich meine Aufmerksamkeit auf einen Punkt, erschaffe ich
zugleich eine Sphäre, die den Ereignishorizont begrenzt. Das ist die
Dynamik, die uns in Käseglocken leben lässt, aber zugleich bildet es das
Grundgerüst einer materiell gebauten Welt aus dichter Masse, in der die
Natur selbstähnliche Formen herausbilden kann und in der wir von einem in
sich geschlossenen Universum sprechen. Indem wir definiert werden,
werden wir auch beschränkt. Wir verlieren Entwicklungsenergie und
Wissen. Die externe Identität ist die Verweigerung der Beziehung. Das tiefe
Unrecht der Gesellschaft. Die Vergewaltigung der Verbundenheit.

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      Wobei dies wiederum nur eine abgespaltene Form des sprachlichen
Ausdrucks ist, um diese Vorgänge in einem mehrdimensionalen Raum mit
der Vorstellung von Zeit und Raum zu erklären. Tatsächlich ist auch Raum
und Zeit nur eine Spiegelung des holografisch-synästhetischen
Ereignishorizonts.
      Dies ermöglicht aber mich und dich im Universum zu verorten.
Während meine Beschreibung des Universums die Positivform bildet, bin
ich selbst, wie auch du die Negativform dessen, also das andere Ende der
Resonanzwelle. Wir bedingen einander. Was ich hier also beschreibe ist das
tatsächliche Universum, die tatsächliche Wirklichkeit dieses Augenblicks.

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Ich richte Deine Aufmerksamkeit auf das Sphärenmodell und für einen
Moment bildet sich in der Differenz zwischen unser beider Denkweise ein
Mischung aus physikalischer, geistiger Wirklichkeit und in diesem
Augenblick neu geschaffener, weil neu verstandener Realität, die in einem
erweiterten Resonanzfeld mit der Gesamtentwicklung des Kosmos steht,
jedoch wegen der Schwerfälligkeit der Sphären mit dicken Schalen sich nur
über die Zeitlinie zu einer offeneren Weltsicht entfalten könnte.

     Ich bitte ihn, eine kurze Pause einzulegen. Wir bestellen uns neue
Getränke und der junge Mann vom Nebentisch stellt ein paar Fragen, die
ich mir vor Erschöpfung nicht notiert habe. Speed hingegen ist nun wie
aufgeladen und seine Haut glüht dunkelrot. Er verdichtet das Thema immer
weiter und alles dreht sich. Mir fällt auf, dass wir uns nun komplett von der
Sphäre einer Bar entfernt haben, von der aus wir Speed nur für irre halten
können. Allein weil er weiter gemacht hat, sind wir mit ihm diese
unheimliche Beziehung eingegangen, die uns in ein anderes Universum
versetzt hat. Ich frage mich, ob dies nur eine erneute Sphäre mit einer dicken
Schale ist, oder ob uns da draußen andere Menschen hören können und das,
was hier passiert für sie Relevanz hat?
      Diese Spirale, die holografisch-synästhetische Unschärfe, die ich
Ereignishorizont nenne, ist sozusagen das Elektronenmikroskop unseres
Jahrhunderts. Nicht immer mehr ins Detail zu gehen, sondern dynamischer
zwischen Detail und Unklarheit zu wechseln und dadurch komplexere
Ordnungsmuster sichtbar und wahrnehmbar zu machen. Radikal ist es,
wenn du für diese Erkenntnis den Job kündigst, um diese neue Physik zu
leben.
      Daraus wird klar, dass die Realität tatsächlich nicht auf klassischen
physikalischen Gesetzen begründet ist, sondern auf der Unschärfe zwischen
allen Disziplinen, Dimensionen und Bereichen der Existenz. Ich brauche
noch einen Schnaps.
     In der Bar ist es jetzt wieder ganz ruhig. Ein Amerikaner setzt sich zu
uns und macht sich laufend Notizen. Er ist angeblich Handelsvertreter aus
Texas, was wir aber nicht glauben.
     Es wird vielleicht eine Zeit kommen, in der jeder hochkomplexe
Physik begreifen und hochkomplexe Technologien bauen und bedienen
kann. Weil wir einen Weg gefunden haben, die Sprache mit der wir

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Technologie erforschen und beschreiben, derart unscharf und assoziativ,
also intuitiv zu halten, dass sie sich aus dem Verstehen von einfachen
Grundprinzipien erschließen und dabei die Technologie jedes Mal eine
Erweiterung, eine Verbesserung erfährt, weil der Nutzer, Forscher diese
»missversteht«. Dies wird dann nicht mehr als Fehler betrachtet, sondern als
Chance, um komplexere Technologie, um höheres Wissen zugänglich und
anwendbar zu machen. Jemand, der beispielsweise die Grundprinzipien
einer Liebesbeziehung erfahren und integriert hat, wird mit Leichtigkeit
auch ein Raumschiff bauen und fliegen können. Es ist alles eine Frage des
freien Selbstausdrucks und der Bereitschaft, Wissen als etwas Lebendiges
zu vermitteln, und nicht als statische Größe, die sich außerhalb des
Bezugssystems beweisen muss und dabei Menschen verletzt.
     Während der Amerikaner nun kleine Sphären aus Bierdeckeln und
Erdnüssen baut, starre ich in den leeren Raum.
     Speed fährt nun damit fort, die Auswirkungen seiner gelebten Theorie,
durch die das Universum sich selbst jedes mal neu, durch den freien
Menschen hindurch verwirklicht, auf andere Bereiche des Lebens zu
übertragen. Mir stockt der Atem vor dem, was ich missverstehen und
dadurch selbst entwickeln werde. Etwas in meinem Inneren verweigert mir
dafür die Erlaubnis.
     Von den Wänden strahlt eine Kälte in den Raum. Wir haben etwas
Angst und wollen, dass Speed sich beeilt. Niemand kann sagen was
passieren wird, wenn der Wirt zurückkehrt.

      Obwohl sich das Prinzip von Bewegung und Polarität überall
durchsetzt und Unschärfe entsteht, bilden sich dennoch konkrete
Begrenzungen und Formen, die wir überall in der Natur sehen können.
      Diese Morphologiemuster resultieren aus der schwachen Energie,
welche schließlich die Sphärenwand herausbildet, also einen
resonanzschwachen Raum, welcher dadurch die Vielfalt an Möglichkeiten,
die in einer Schwingung liegen, auf einen Teilbereich reduziert. Auf jene
Information, die auf Distanz beruht. Man könnte auch im Sinne dieser neuen
Sprache sagen: »Weil ich mich nicht einem Stein annähern kann, da ich mit
diesem keine emotionale Resonanz herstelle, bleibe ich distanziert, im
resonanzfreien Bezug und sehe darum den Stein als Stein und nicht als
Potenzial meines Selbst. Die Sphärenwand ist also zentral, um einerseits die
Morphologie unserer Welt sichtbar zu machen, andererseits aber auch die

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größte Form der Begrenzung unserer Entwicklungsraumes, sowie der
Fähigkeit in Bewegungsmorphologien kodiertes Wissen aufzunehmen und
mit ausreichend Energie zu verarbeiten. Der Ausdruck: »Unter einer
Käseglocke« ist eine gute Beschreibung für die allgemein wahrgenommene
Architektur des Universums. Die Kunst der komplexeren Lebensformen,
wie dem Menschen, liegt darin die Sphärenwand immer wieder zu
überwinden, um sich weiter zu entwickeln. Sauft weiter Freunde!
Durchbricht die Sphäre unserer angepassten Kulturlosigkeit! Wobei
Entwicklung die Integration komplexer Schwingungsmuster bedeutet.
Versteht man, dass die Sphäre aus der Unschärfe Kraft für Entwicklung
bezieht, wird klar, weshalb man mit zu viel klarer Ordnung die Freiheit von
Menschen beschneiden und sie von ihrem natürlichen Wissen fern halten
kann. Das materielle Weltbild reduziert die Intelligenz der Menschheit. Weil
die Intelligenz in der atmenden Struktur liegt und nicht im verorteten Gehirn,
im Produkt, im Ergebnis, in der Methode. Darum ist es wichtig
Gesellschaftsgestaltung im Sinne eines positiven Bezugs zur Dynamik des
Lebendigen zu begreifen, um eine Gesellschaft bauen zu können, die sich
möglichst dynamisch entwickelt, also das genaue Gegenteil der derzeit
herrschenden Ordnungen.
      Nach einer Weile, der Amerikaner hat es angeregt, kommt Speed
darauf zu sprechen, wie dieses Wissen um die Sphären von
Interessensgruppen benutzt wird, um die Bevölkerung zu manipulieren und
möglichst in Sphären mit dicken Schalen gefangen zu halten. Ich merke auch
hier, wie ich seine Gedanken überprüfen will. Meinem Bauchgefühl
vertrauend macht was er sagt, zunehmend Sinn. Dennoch bleibt eine tiefe
Skepsis, die ich erst viel später als Angst vor mir selbst identifiziere.
      Man kann die Entwicklungsbreite einer Gesellschaft reduzieren, wenn
man die Gegensätze, also die Polarität, reduziert und annähert. Je weniger
Abweichungen von der Norm, umso mehr gleichen sich fruchtbare
Widersprüche an, bis das Spektrum, welches junge Menschen als Freiraum
wahrnehmen, derart schwindet, dass das nächste Update einer Spielkonsole
einer Lebensperspektive gleichkommt.
      Die Freiheit ist relativ. Wann hat das letzte Mal ein junger Mensch eine
Utopie formuliert, die nicht wie der Verkaufskatalog einer Industrie klang,
wie etwas, das man schon hundertfach in Werbung und Fernsehen gehört
hat? Künstler zu sein, bedeutet heute nur noch einer Jury so genannter

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etablierter Positionen zu gefallen, weil man wie sie ist. Kraftlos, verkauft,
nur noch Kunst inszenierend, als sei sie eine Ware. Musik für die Massen.
Ein Buch für das Glas Wein nach der Arbeit. Das Leben in Zitaten ist das
Leben in Sphären mit dicken Schalen. Fatal ist, dass in unserer Gesellschaft
der belohnt wird, der die dickste Schale hat, also am wenigsten Unklarheit,
Entwicklungsfähigkeit, am wenigsten lebendige, also scheinbar prekäre
Lebensverhältnisse aufweist.
      Es ist einfach, die Kontraste zu reduzieren, wenn dir die Medien
gehören, die politischen Parteien sich zunehmend ähneln, aus Angst davor,
zu extrem zu sein. Der allgegenwärtige Kampf gegen den Extremismus ist
auch eine Spiegelung der Angst der Menschen vor abweichenden Positionen,
die polarisieren. Es sollte ja nicht das Ziel einer demokratischen
Gesellschaft sein, Polaritäten zu reduzieren, sondern sich diesen zu stellen,
sich in der Reibung damit, im tieferen Verstehen und Integrieren neuer
Erkenntnisse zu entwickeln. Dass wir dafür scheinbar nicht die Kraft haben,
ist ein Anzeichen schwacher Energie im Auslaufen einer Resonanzwelle,
die dicke Sphärenwände bildet. Versteht doch, dass die
Entwicklungsenergie einer Gesellschaft vom authentischen und vielfältigen
sozialen Gefüge abhängt! Durch zu viel Rationalismus, zu viel Exaktheit
und Gleichschaltung in den Strukturen der Gesellschaft schwindet die
Fähigkeit zur Evolution. Das ist der innere Zustand unserer Welt. Wir
stagnieren an einem Pol und haben nicht mehr die Kraft neue Resonanz
aufzubauen, in dem wir zwischen den Polen schwingen und dadurch die
Bandbreite der existenziellen Möglichkeiten erhöhen, weil die Spirale sich
dann weiter entfalten und mehr vom Universum integrieren kann. Dafür ist
emotionale Instabilität notwendig. Nichts soll zurückgehalten, unterdrückt
oder unausgesprochen bleiben.
      Höhere Lebensformen wie der Mensch können nur existieren, weil sie
eine höhere Schwingungskomplexität aufweisen, somit eine höhere Form
der Intelligenz leben und damit einhergehend, mehr Entwicklungsenergie
zur Verfügung haben. Ein Stein hat diese Möglichkeiten nicht. Auch eine
Zelle muss sich mit anderen austauschen, muss in Wechselwirkung stehen,
um Organe, ein Gehirn, ein Herz, einen Körper herausbilden zu können.
Dafür bedarf es des Zusammenspiels vieler Dimensionen im
Gravitationsmeer. Die Marken reduzieren die Bandbreite. Die Wirtschaft
schwächt die Wertschöpfungskraft. Das Fernsehen kapselt Denkweisen und
Weltbilder ab.

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      Tatsächlich will Speed ein Stück weit scheitern, damit die Menschen
ihn korrigieren, ihn ergänzen und dabei das, was er sagt, erweitern. Das
aber steht in radikalem Widerspruch zu all unseren Wertvorstellungen.
Denn warum sollen wir ihm zuhören, wenn das, was er sagt, vielleicht nicht
stimmt? Wenn sein Vortrag konsequent inkonsequent und ungenau ist. Das
ist doch kein Produkt. Das ist ja unlogisch. Es ärgert mich maßlos, dass er
sich ständig von dem Typen in der Ecke unterbrechen lässt, der von seiner
Freundin erzählen will, die ihm abgehauen ist. Was hat das denn mit der
Sache hier zu tun?
      Die Vernetzung, das Profil, die Verkürzung der getwitterten Aussagen,
die zur Angleichung des Selbstausdrucks zwingt, ist nur eines von
unzähligen Beispielen, die illustrieren, weshalb die moderne Zivilisation
sich letztlich selbst auflöst. Wir sind das Netz. Jeder hat darin ein Profil.
Jedes Profil lässt sich auf vier Masken reduzieren. Männlich oder Weiblich,
hübsch oder weniger hübsch, erfolgreich oder versagend, relevant oder nicht
vorhanden. Distanz statt Nähe, Klarheit statt Offenheit. Keine Pulsieren
zwischen den Polen.
      Das Netz erscheint jedem, der ein kontrastloses Leben führt, als bunte
Chance, als könne jeder zu jederzeit ein Video, ein Statement, ein Buch
veröffentlichen. Ein großer Sprung für den, der nur die Entscheidungswahl
zwischen McDonalds oder Burger King kennt, aber ein kleiner Schritt für
die Menschheit.
     Plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen, dass Speed mit
Resonanz und Austausch die Schaffung von Ökosystemen, die Schaffung von
Welten meint. Klar doch, schießt es mir durch den Kopf. All die Dinge die
wir nicht aussprechen, die privaten Träume, die inneren Zweifel, all das
wird nicht zu einer gelebten Realität zwischen mir und meinen Freunden,
meiner Familie, meinem Boss. Die Welt verkleinert sich. Die Abläufe werden
schneller. Es gibt keinen Widerstand mehr. Ich werde schwach und habe das
Gefühl zu verdummen.
     Noch nie hat jemand die Ökonomie auf der Basis schwacher Kräfte
der Sphären beschrieben. Noch nie die Faktoren Angst und
Charakterlosigkeit, Gier, oder sexuelle Dominanz berücksichtigt. Würden
die Ökonomen diese Worte benutzen, würden die Leute aufwachen und das
Wesen der Sphäre begreifen. Wirtschaft wäre eine Frage der Lebensweisheit
und nicht der abstrakten Zahlen, denen sich komplexe Lebendigkeit

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unterordnen soll. Natürlich erzeugt das Konflikte. Zu viel Ordnung führt
immer zu Konflikten, weil es eine Form der Reduktion ist, der Abstraktion,
ohne den direkten Bezug, ohne die Nähe auch mal zuzulassen. Darum ist
das hier ein für die Eliten gefährliches Experiment.
     Es sind nicht nur die Milliardenvermögen, welche die Wirtschaft
lenken, sondern die schwachen Kräfte in den Sphären. Die Bequemlichkeit
der Leute.

     Ich merke, dass Mr. Speed wieder Dinge auslässt und mich
dadurch zu eigenständigem Denken inspiriert. Und ich glaube, ich
hasse ihn dafür. Weil ich das als Fehler, als Unzulänglichkeit seiner
These werte. Seine Zerrissenheit und die Widersprüche. Dass er sich nicht
einordnet in die Produktion.
      Ich bitte ihn, genauer auf das Phänomen der Selbstähnlichkeit
einzugehen. Das klingt für mich ordentlicher. Ich will exakter wissen,
weshalb diese Abschottung der Sphären passiert und was dies für
gesellschaftliche Auswirkungen hat. Warum der Mensch sein Verhalten
nicht ändert. Vielleicht ist es nicht möglich? Wir könnten bleiben wie wir
sind. Das Wenige genügt mir manchmal. Wir kennen einander zwar nicht,
aber können uns doch als Freunde bezeichnen, als geordnete Gemeinschaft,
mit einfachen und klaren Regeln.

      Alles Leben geht von einem Impuls aus, der sich polar äußert und wie
gesagt entweder Resonanz erzeugt, somit dünne Sphärenschalen, oder als
Schwingung ausläuft, also als dicke Schale in resonanzschwachem Raum.
Diese Begrenzungen oder Schalen können auch aus der Dynamik der Kräfte
verschiedener Impulse entstehen, wie Wasserströmungen, die in sich diffuse
Übergänge haben, weil die Wassertemperatur beispielsweise
unterschiedlich ist. Und jetzt kommt das Wesentliche. Umso weiter die
Morphologien vom Kernimpuls entfernt sind, umso schwächer wird die
Schwingung und umso dicker wird die Schale. Weil in jeder Schwingung
andere Schwingungen enthalten sind, führt Resonanz am Ende der Welle
schließlich zu Selbstähnlichkeit der Forminformation. Bei auslaufender
Schwingung bildet sich am Ende ein Raum aus schwacher Energie und
geringer Bewegungsdynamik. Es kommt zu Selbstähnlichkeiten, die sich
stärker verfestigen und abgeschottete Sphärenstrukturen ermöglichen. Das
bedeutet die Sphären am Ende einer Welle bilden weniger Abweichungen,

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als am Anfang des Hauptimpulses. Selbstähnlichkeit ist also ein
Resonanzphänomen. So etwas ist auch als stehende Gravitationswelle
bekannt. Es ist zunächst nicht gut oder böse. Die Frage ist nur wo man eine
Gesellschaft bauen will. Näher am Hauptimpuls, wo mehr
Veränderungsenergie und Sphärendurchlässigkeit vorhanden ist, oder am
äußersten Ende wo sich Ausdrucksformen starr angleichen, Gesellschaften
verspießern und sich nur noch gegenseitig kopieren, ohne das da noch viel
Austausch, Dynamik oder Resonanz passiert.
      Ich denke es geht darum, die Gesellschaft zwischen dem einen und
dem anderen Ende pulsieren zu lassen, während starke Machtmenschen sich
selbst gerne nah am Kernimpuls platzieren und die Gemeinschaft am
gegenüberliegenden Ende ansiedeln. Dann ist eine Gesellschaft auf
einseitiger Kommunikation aufgebaut, die von einem starken Impuls, wie
von Regierungen und Massenmedien, ausgeht, während die Bevölkerung
zu schwach ist, um eigene Impulse zu setzen. Die Revolution besteht darin,
diese Prinzipien als physikalische Größen zu begreifen und konkret mit
ihnen zu arbeiten.
      Hierarchie ist ein Resonanzphänomen welches auf Naturgesetzen
beruht, auf geometrischen Bewegungsabläufen, die alle Ebenen der
Existenz erfassen. Das Wesen des Anführers ist es, Besitz von der
Eigenschwingung der Untergebenen zu nehmen und Resonanz
untereinander zu unterdrücken. Alle Kraft, alle Aufmerksamkeit strömt zum
Zentrum. Wer dies beherrscht, kann keine eigenständige Entscheidung mehr
von den Untergebenen erwarten, weshalb diese Form der Verantwortung des
Anführers überholt ist. Es ist falsch, Menschen zu dominieren, wenn die
Probleme und Fragen komplexer sind als der Verstand des Anführers. Da
der klassische Leader den Untergebenen die ihnen innewohnende
Entwicklungsenergie abzieht, bleibt diesen nur noch die Kraft der
Angleichung, das annähernde Kopieren des Nachbarn. Denn es fehlt sowohl
an Information, wie ein anderes Leben aussehen könnte, wie auch an
Energie, um dieses umzusetzen. Das typische Bild des unpolitischen
Konsumenten, der aus Schwäche die Umwelt zerstört und dazu beiträgt,
dass er selbst und seine Nachbarn ausgebeutet werden.
      Zeitgemäßes Leadership hingegen bedeutet in alle Richtungen
Resonanz zu leben, Reibung zu erzeugen und extrem zwischen dem eigenen
Inneren und der Außenwelt zu pulsieren.
      Verstehe mich nicht falsch! Anpassung ist nicht nur schlecht. Sie
ermöglicht auch den Aufbau größerer und komplexerer Strukturen.
                                    51

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Lebendig werden diese jedoch erst, wenn zwischen Anpassung und
Abweichung ein dynamisches Wechselspiel besteht.
      Seit Generationen versuchen wir, das Subjektive loszuwerden und
verlieren dabei den Bezug zur Wirklichkeit. Kaum jemand traut sich noch
aufzustehen und die eigene Meinung zu vertreten, gerade weil sie abweicht,
weil sie nur ein Teil des Ganzen ist. Für einen Moment finde ich seine
Feststellung tröstlich.
      Dann ein lauter Knall von draußen.
     Ich nenne diese von mir entwickelte Disziplin die synästhetische
Wissenschaft, da, wie bei einem Synästheten, eine Farbe einem Klang
entspricht, eine Form einer Zahl, ein Rhythmus einer Geometrie, eine
Architektur einer Idee, ein Gedanke einer Emotion. Die Existenz ist nur
noch ein Ereignis, indem sich Resonanzbezüge herstellen lassen, die zu
Realitäten werden. Das ist meine Revolution. Eine Chance, die vielleicht
nur an diesem Samstag existiert. Die Möglichkeit, die alles verändern
könnte, tragen wir sie nur durch diese Türe.
     Draußen höre ich wieder diese Geräusche. Es sind Stimmen, wie mit
einem Megafon gebrüllt. Sirenen und heftiges Poltern. Dann Stille.
      Ohne Selbstähnlichkeit, also das Prinzip der Spirale, die sich immerzu
um den selben Punkt dreht, aber nie am selben Punkt ankommt, gäbe es
weder die Information, noch die Energie, um die Natur in all ihren
vielfältigen Form herauszubilden. Die Frage lautet aber, wie weit dürfen wir
zulassen, dass eine kleine Elite die Lebensprozesse manipuliert, weil sie
über dieses Wissen verfügen? Über das Verständnis, wie Formen und
Strukturen in der Natur und im Menschen entstehen?
      Jetzt schlägt Speed vor, die Disziplin des berauschten
Gesellschaftsdesigns als Gegengewicht zur Naturwissenschaft zu etablieren,
also ein Gleichgewicht herzustellen, zwischen dem Erforschen von
Naturgesetzen und der freien Gestaltung von Naturgesetzen, per
individueller Entscheidung.
      Auf diese Weise hofft er, die Freiheit des Menschen gegenüber einer
Wissenschaft zu erweitern, die zu viel Wissen über Vorgänge des Lebens, in
zu wenigen Händen hält.
      Gerade mit Blick auf die Gehirnforschung und die künstliche

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Intelligenz formuliert er die Notwendigkeit, die Bevölkerung als subjektives
und kreatives Potenzial stärker in die Erarbeitung dieses Wissens zu
integrieren, weil es sonst gegen sie benutzt werden würde. Es entstünde eine
herrschende Gesellschaft, die von sich überzeugt ist, ethisch, wirtschaftlich,
geistig am Höhepunkt der möglichen Entwicklung zu stehen. Ein mordendes
Monster, ohne Empathie. Genährt von Gut und Böse, während es das eine
Volk gegen das andere treibt.
       Hast du über der Bar das Bild der Spirale gesehen und jenes von der
Erdkugel, die als Sphäre dargestellt ist? Seit ich mich mit diesen Dingen
befasse, ist mein ganzes Leben ein Orkan und die Kräfte die freigesetzt
werden, sind gewaltig.
      Ein Teil von Dir ist immer Chaos, also Muster höherer Ordnung.
      In der Schule wird darüber nie gesprochen. Man soll sich
spezialisieren, weil Spezialisierung einen schwächt, eine ganze Gesellschaft
schwächt. Früher ging es um ein Lernen, das den eigenen Verstand mit
Wissen erweitern sollte. Das ist reinem Training gewichen, also dem
Abrufen von erwarteten Ergebnissen. Warum tun wir das, wenn es uns doch
selbst schadet? Weil wir einen festen Wert definiert haben, der verhindert,
dass wir die Auswirkungen erkennen, also über den Tellerrand blicken. Das
ist Physik. Das ist Gesellschaftsdesign. Vor diesem Hintergrund stellt sich
die Frage, wie die Demokratie ergänzt werden muss, damit die Menschheit
nicht gegen die Wand fährt? Wie kann die Qualität der Demokratie erweitert
werden? Als bewussterer Prozess der Weltgestaltung, zwischen vielfältigen
Menschen, in einer kraftvollen, innovativen und lebensbejahenden
Wirtschaft und einer neugierigen, offenen, chaotischen und zu gleich
ordnenden Wissenschaft?
     In diesem Moment geht ein alter Mann in einem seltsam rhythmischen
Gang durch die Bar und bestellt sich einen Martini. Gerührt, nicht
geschüttelt. Von Beruf ist er wohl Fischer und heißt Mr. Plant. Dies
veranlasst Speed dazu, eine halbe Stunde von seiner Begegnung mit den Led
Zeppelin Sängern Robert Plant und Jimmy Page zu erzählen und davon,
dass Jimmy Page im ehemaligen Haus eines Mystikers lebt und Speed ihm
mal mit einem Gefallen aus der Patsche half. Der Amerikaner stellt
hingegen die Frage, was Mr. Plant wohl für eine Pflanze wäre, wenn er eine
Pflanze wäre. Irgendwie kommen wir dann auf Speeds Entscheidung, das
ganze Universum gleichzeitig zu leben, weshalb er aktuell total abgebrannt

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ist. Keine Firma kann etwas mit dem ganzen Universum anfangen und er
hat kein Produkt mehr, wenn er mit dem ganzen Universum in Beziehung
steht und sich davon nicht abgrenzen kann.
      Dass am Anfang immer der starke Impuls einer zentralisierten Macht
steht, ist zwischen den Sphären nicht mehr erkennbar. In denen es Menschen
an Überblick fehlt, um das übergeordnete Prinzip zu erkennen, welches sie
unbewusst durch die Wiederholung der Normen des Nachbarn abbilden.
Allein von der kleinen Abweichung, die ihnen dann noch bleibt, um nicht
eine reine Kopie zu sein, leiten sie ihren Individualismus ab.
      Das Sphärenmodell macht sichtbar, wie Macht sich versteckt und
erklärt, warum die Demokratie in den von Massenkultur geprägten
Gesellschaften nur wenig den Willen der Massen spiegelt, sondern
überwiegend den der Eliten.
      Ein Herrschaftssystem bildet einen starken Impuls einer
Regierungsordnung, die sich in der Bevölkerung zu selbstähnlichen Sphären
formt und dadurch Verbreitung findet. Nur auf diese Weise ist es möglich,
dass einige wenige die Massen dominieren und die Massen diesen Einfluss
kaum bemerken.
      Sind sie doch scheinbar nur von ihresgleichen umgeben.

      Das ist natürlich eine unerhörte Aussage. Es gilt als ungeschriebenes
Gesetz, dass der Wille der Massen die Grundlage des freien Willens
überhaupt ist, was die Gesellschaft betrifft. Das Individuum hat eine Stimme,
aber die Relevanz bildet sich aus der Summe der Stimmen. Man spricht
sogar von Schwarmintelligenz. Doch Speed macht gerade klar, dass die
Masse wegen ihres inneren Zwangs zur Selbstähnlichkeit stets der Spiegel
starker Impulse von außen ist. Man übernimmt Ideen und hält sie für die
eigenen, zerlegt, aber differenziert nicht, spaltet aber integriert nicht, weil
alle derart ähnlich denken, dass man permanent damit beschäftigt ist, Teile
vom Ganzen abzuspalten, um sich dadurch von den anderen abzuheben,
ohne dabei aber Integrität zu erlangen. Weltbilder verändern sich nicht. Sie
zerteilen sich nur in Lager, die einander bekämpfen. Das zerstört den
Überblick und stabilisiert Denkweisen, die von Autoritäten vorgelebt
werden. Das Volk entwickelt nichts mehr. Es streitet nur noch. Ein
natürliches Grundprinzip wird manipuliert und für eigene Interessen
genutzt. Dies ist aber, wie Speed sagt, nur möglich, wenn eine Gesellschaft
in der auslaufenden Welle gebaut ist, also dort, wo nur noch schwache

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Energie, zu dichte Struktur herrscht.

      Die Demokratie ist überhaupt nur zu verstehen, wenn du verstehst wie
Massen sich vormachen, der kollektive Wille sei ihr Wille und überhaupt
der Wille der Mehrheit und wie die Eliten die Massen mit Leichtigkeit darin
täuschen.
      Gehört mir ein TV-Sender und ich verbreite beispielsweise die
Aussage: »Alte Menschen sollte man töten« wird das in den Sphären
diskutiert. Zunächst verbreitet sich die Idee, dass alte Menschen sowieso
sterben und dass man vielleicht auch Verbrecher töten sollte und überhaupt
muss über effizientere Formen des Lebens nachgedacht werden. Jeder will
sich die Idee aneignen und weicht darin latent ab, verändert aber nicht den
Kern, also die Reduktion, das Framing. In der Kontroverse ist mein Satz
zunächst in unterschiedliche Form gespalten worden, um mit den Sphären
in Resonanz zu geraten, die zu dicke Schalen haben, um komplexere
Gedanken integrieren zu können. Alles wird zunächst in die kleinsten Teile
gespalten, was den Eindruck von Vielfalt erzeugt. Vielfalt im Kleingeistigen,
im Dogmatischen, in Intoleranz. Doch nach einer Weile gleichen sich die
Ansichten wieder an. Meist zeitlich versetzt, weil der Druck zur
Selbstähnlichkeit sie aus dem Unbewussten wieder hervorholt. Nur denken
die Menschen diese Gedanken, Werte und Überzeugungen kämen nun von
ihnen selbst. Die Angleichung nehmen sie als Fortschritt wahr. Dabei haben
sie sich keinen Millimeter bewegt.
      Das Ergebnis ist dann vielleicht: »Es ist schon in Ordnung, die
Apparate an denen ein alter Mensch hängt, früher abzuschalten als bisher.«
Die Massen, die das verbreiten, werden der Ansicht sein, es sei ihre Idee
gewesen. Auch kommt es ihnen nun vor, als sei das die Normalität, weil sich
dieser Gedanke über die Jahre in das Unbewusste der Massen
eingeschrieben hat. Auch darin gibt es leichte Abweichungen, die den
Eindruck vermitteln, es herrsche Meinungsfreiheit. Gleichzeitig sind sie
sich darin einig, dass es Individualismus, Genies und originäre Gedanken
überhaupt nicht gibt. Weil ihnen diese in den Sphären mit den dicken
Schalen nie begegnen. Information bleibt in Clustern, in Boxen und färbt
die Wahrnehmung. Jedes Thema lässt sich entsprechend in einen begrenzten
Rahmen setzen, mit dem man eine Gesellschaft impfen kann. Ich muss dann
nur noch ein oder zwei weitere Sätze ins Spiel werfen und spätestens nach
zwei, drei Jahren werden ältere Menschen in der einen oder anderen Weise
früher sterben. Der Wille der Eliten setzt sich in den Sphären fort, wie eine
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Schwingung, auf die andere Schwingungen nach dem Prinzip der
Selbstähnlichkeit aufmoduliert werden. Wer im Wald der Sphären sitzt
bekommt davon nichts mit, sondern diskutiert kleine Details und hat das
Gefühl, gehört zu werden. Um einen eigenen dominanten Satz in die
Zivilisation werfen zu können, fehlt es den Menschen in den Sphären an
Energie und an Unterscheidungskraft, ein Mangel an Bandbreite und
vielfältiger Existenzerfahrung, aufgrund der Abstumpfung der Sinne und
der Reduktion der Resonanzbezüge. Sie denken ähnlich, reden ähnlich und
haben keine Prägnanz. Sie können keinen starken Impuls setzen, der je die
Kraft meines Beispielsatzes erreichen würde. Darum ist die Demokratie
nicht der Höhepunkt des Demokratischen, sondern eine Methode zur
Verhinderung eigenständiger, nicht kontrollierbarer Entwicklungsdynamik,
innerhalb einer Gesellschaft. Man entzieht den Leuten die
Entwicklungsenergie und stellt Politikverdrossenheit her, bis sich das
Individuum für immer aus der gemeinsamen Gesellschaftsgestaltung
zurückzieht.
      Dieser Prozess lässt sich am Unterschied zwischen Symbol und
Zeichen illustrieren. Ein Symbol ist ein mehrschichtig in Resonanz
stehender Inhalt, eine Information, die lebendige Kraft besitzt, weil sie von
vielen Menschen abweichend wahrgenommen und interpretiert wird.
Dadurch fließt der dahinterstehenden Struktur, dem Inhalt, dem Thema, viel
Energie zu. Ein Zeichen hingegen ist weitgehend tot, weil es die
Interpretation in einer Abspaltung, einer Reduktion festlegt. Würden wir uns
mit Symbolen unterhalten, wären wir eine vielfältigere und intelligentere
Gesellschaft mit mehr kreativer Lebensenergie. Da wir uns nur in Zeichen
unterhalten, verletzen wir uns dauernd gegenseitig, verstehen nicht, finden
nicht zu einem authentischen Austausch. Die vielen sozialen Probleme, die
zerfallenden sozialen Beziehungen haben mit der Sprache und mit der Form
zu tun, in der sich Menschen heute austauschen.
      Politiker bauen Gesellschaften überwiegend auf Zeichen (klaren
Gesetzen) und kaum auf Symbolen (unscharfen Resonanzen) auf. Das
schafft Unselbstständigkeit und Dogmen, die neue Verletzungen bewirken,
auf denen neue Konflikte beruhen, denen dann wieder mit Zeichen begegnet
wird. Der Rechtsstaat erschafft das Unrecht. Eine Gesellschaft könnte sich
auch aus innerer Empathie heraus organisieren. Wer Jahrzehnte verletzt
wurde, spürt jedoch nichts mehr. Viele Jahre würde es dauern. Vielleicht
Generationen. Bis sich natürliche Ordnung wieder einstellen kann. Ich dich
unmittelbar sehe und würdige und du mich.
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      Jedes Logo eines großen Konzerns ist eigentlich ein Symbol, wird aber
als Zeichen verstanden. Genauer gesagt, ist es für die Inhaber ein Symbol,
welches emotional aufgeladen, also in Resonanz gebracht wird, für die
Konsumenten ist es aber nur mehr ein Zeichen. Etwas was sie lediglich
einseitig aus der Distanz, als Information, in sich aufnehmen sollen. Aber
bitte ohne mit dem Unternehmen in unscharfe Resonanz zu gehen, also auch
auf anderen Ebenen, als nur über den Warenaustausch gegen Geld. Denn das
würde den Machteinfluss des Unternehmens schwächen, aber die
Gesellschaft stärken.
      Richtig wäre es, wenn auch die Konsumenten, die sich dann nicht
mehr so bezeichnen, also reduzieren lassen, die Unternehmen selbst als
Symbole sehen, mit eigener, subjektiver Auslegung und in der Resonanz, im
echten Austausch diese Sphärenschalen der Marken und Konzerne
aufbrechen, um Wirtschaft in die Lebenswirklichkeit hinein zu erweitern.
      Die Werte würden als tieferliegende Symbole erkannt, und dieser
Austausch würde lebendig eingefordert. Eine Marke stünde für Liebe, eine
andere für Wahrheit. Nicht im Sinne des Marketings, sondern als realer und
subjektiv gestaltbarer Bezug, mit dem ich arbeiten kann.
      Ist es nicht erstaunlich, wie sehr das unsere Wirtschaft verändern
könnte? Es führte sofort zu einem authentischeren Markt. Der Austausch
fände nicht nur über Geld, sondern auf vielen Ebenen statt, weil die Ware,
das Produkt, die Firma eine Frage der Interpretation, also des unmittelbaren
Kontextes wäre. Lebenswirklichkeit des Individuums würde zum
Drehpunkt der Begegnung zwischen Unternehmen und Mensch. So aber
passt die Bevölkerung ihr Leben den Waren und Marken an. Ihrer
Eindeutigkeit. Sie behindern die authentische Identität des Menschen und
erzeugen Abhängigkeit von den Identitäten der Marken, an denen das eigene
Überleben im künstlich definierten Markt hängt. Weil man zuvor durch den
Abbau des Lebendigen, der freien Interpretation der Werte, die eigentliche
Existenzgrundlage einer breit gefächerten Existenz zerstört hat. Nur die
soziale Verbindung kann eine Gesellschaft ernähren. Die Kultur ist die Basis.
Nicht die Konzerne.
      Genau das habe ich versucht zu zeigen, als ich vor der Zentrale von
Red Bull drohte, einen Stier zu töten. Ich wollte mir das Symbol Red Bull
aneignen, während deren Anwälte mich darauf hinwiesen, dass es für mich
nur ein Zeichen sein darf, dessen eigenständige Benutzung mir untersagt ist.
Ein Mechanismus der Kontrolle, der in der modernen Wirtschaft überall zu
finden ist.
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     Weil die meisten Ökonomen hier nur an der Oberfläche kratzen,
bleiben die modernen Tools der Ökonomie schwach und ungeeignet, die
wirtschaftliche Misere unserer Zeit zu lösen. Sie sehen die Wirkung der
Sphären nicht.
     Es ist notwendig, die Konzerne zu zerschlagen und die Symbole zu
erweitern, um die Wertschöpfung in der Breite der Bevölkerung zu
ermöglichen. Weder das Schaffen von Arbeitsplätzen, noch das Schaffen
von Detailregelungen ändert etwas am grundsätzlichen Baufehler des
Kapitalismus, der immer dafür gedacht war, die Bevölkerung schrittweise
zu enteignen und in Schuld und Abhängigkeit zu treiben. Dies wurde nur
wegen der Sphärenblindheit nie erkannt.
     Fast alles, was Ökonomien heute tun, ist im Sinne der Eliten und selten
im Sinne der Volkswirtschaft. Deregulierung als Radikalmaßnahme
beispielsweise führt zu einem anarchischen Markt, in dem die Stärksten sich
durchsetzen und die Wirtschaft in Monopolen dominiert, somit den
Austausch von Energie in einem System auf die dicken Leitungen,
Verkaufskanäle usw. reduzieren, weil die Konkurrenz nicht stark genug ist
einen eigenen kraftvollen Impuls zu setzen. Monopole entziehen dem Markt
zusätzlich Resonanzkraft und führen zu Blasen und einem Crash. Alle
Energie wird im Monopol gebündelt. Darum schwindet die Kaufkraft mit
Steigerung der Blase. Bis das ganze Ding zusammenbricht.
     Die darauffolgende Überregulierung durch die Regierungen, sowie die
Sparmaßnahmen, verschärfen diesen Prozess, weil nun die wenigen
Marktkanäle und Monopole durch die Normierung der Gesetzgebung
standardisiert werden. Die Kraft des Stärkeren wird nun durch die Norm des
Stärkeren ersetzt, um es den Großen noch leichter zu machen die
Konkurrenz zu beseitigen und den Wohlstand abzuschöpfen. Wenn dann die
Gesellschaft erneut am Boden liegt werden wieder Milliarden ins System
gepumpt, die dann noch schneller bei den wenigen großen Konzernen
landen. Es existiert ja kein Handel mehr von Mensch zu Mensch, sondern
nur noch von den großen Konzernen zu den Massen. Ohne ein tiefes
Verstehen, wie in der Sphärendynamik die Verteilung von Energie, Wissen
und Identität passiert, also der Frage, wie Energie in der Breite verteilt und
aus der Breite einer Wirtschaft geschaffen wird, ist moderne
Wirtschaftspolitik reine Ressourcenverschwendung.
     Gleichzeitig ist es den kleinen Leuten durch zahlreiche Regulierungen
verboten, sich eigene Formen des Handels und Austausches aufzubauen.
Das wird dann als Schwarzmarkt bezeichnet. Eben diese kleinen Formen
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des Austausches wären aber die ersten Wurzeln einer dynamischeren
Wirtschaft. Der Staat vernichtet diese, weil man noch immer an die
Steuereinnahmen über das große, vereinheitlichte System glaubt, in dem
tatsächlich immer weniger Konzerne überhaupt Steuern zahlen. Jedes
eigenständige Geldsystem, jeder private Warenaustausch wird verfolgt und
kriminalisiert.
     Einen Moment war ich weggetreten. Ich kann nicht sagen, wie viel Zeit
vergangen ist. Nun aber ist mein Geist ganz klar. Als wäre ein reinigendes
Gewitter vorbeigezogen. Draußen höre ich, wie jemand schreit. Amerika!
Europa! Die Männer an der Bar drehen sich um. Doch die Türe bleibt
verschlossen. Nur die Wand vibriert ein wenig. Organische Formen, wie
Körperteile, drücken sich wölbend durch die Holzvertäfelung der Decke.
Ein Kurzschluss zischt und funkt von der Lampe herab. Ich schaue rüber zu
Speed, der mir gegenüber sitzt. Sein Körper ist in einen Kokon gehüllt,
durch den er weiter zu mir spricht.
      Das     Freihandelsabkommen.        Es     ist    das     verdammte
Freihandelsabkommen. Als sei es die größte Selbstverständlichkeit, wird
von den Vorteilen eines Angleichens der Standards gesprochen und der
Eindruck vermittelt, es entstünden durch den größeren Markt auch mehr
Arbeitsplätze, durch mehr Spezialisierung und höhere Produktivität. Dabei
kann moderne Ökonomie die Nebenwirkungen überhaupt nicht beschreiben,
weil ihr dafür das Vokabular fehlt. Sie kann nicht erklären, warum
Standardisierung automatisch zur Reduktion der Innovationsfähigkeit und
der breiten Wertschöpfung führt. Es mag zwar am Anfang der Eindruck
entstehen, der Handel nehme zu, weil er sich vereinfacht. Im zweiten Schritt
aber kommt es zu einem Prozess der Rationalisierung und weiteren
Beschleunigung der Zentralisierung von Entscheidungsprozessen, was es
den kleinen Unternehmen und den einzelnen Bürgern zunehmend
unmöglicher macht eigenständige, individuelle, lokale Lösungen zu
entwickeln, die aber die Grundvoraussetzung dafür sind, dass die Geldflüsse
auch in die Breite übertragen werden. Was die Firma Amazon mit den
lokalen Buchhändlern angerichtet hat und was hier der Literatur, dem
geistigen Erbe angetan wurde, kommt in der Rechnung nicht vor. Weil
natürlich Amazon Arbeitsplätze schafft und hoch produktiv ist. Sie zahlen
nur fast keinerlei Steuern und anderswo veröden kleine Gemeinden und
Städte. Dies ist den Eliten weitgehend egal, weil die Gewinne der großen

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Unternehmen durch ein Freihandelsabkommen weiter steigen und es noch
leichter wird, die Bevölkerung auszubeuten. Eine schwache
Gesamtwirtschaft steht also nicht im Widerspruch zu hohen Gewinnen bei
den Konzernen. Wirtschaftswachstum kann auch stattfinden, ohne die
Bevölkerung daran zu beteiligen. Auf die Frage, was dieses Abkommen für
die Volkswirtschaft bringen soll, liefern die meisten Ökonomen nur
schwammige Antworten, weil sie darauf tatsächlich keine Antwort haben.
Es fehlt ihnen an Sprachfähigkeit, um auszudrücken, wie die Erweiterung
eines Marktes tatsächlich zu mehr Dynamik führen soll. Es sind keine
Menschen mit Fantasie und Kreativität. Sie verwechseln quantitative
Marktvergrößerung      mit     qualitativer  Markterweiterung.    Diese
Differenzierung kennen sie nicht. Hohe Produktivität kann eine
Volksökonomie auch ruinieren, wenn sie durch moderne Technologie
weitgehend automatisiert wird.

     Ich sehe Speed an und wundere mich nicht. Ich finde es OK. Alles ist
erlaubt. Doch muss es schneller gehen. Bald schon werden sie uns holen
kommen.
      Das Sphärenmodell beschreibt also nicht nur, warum der Bürger den
Einfluss der Medien und Eliten auf das eigene Leben kaum bemerkt, was
die Illusion einer offenen Gesellschaft erzeugt, sondern ermöglicht auch
tiefe Einblicke in das Kreativitätspotenzial, das lebendige Energielevel eines
Landes. Dort, wo eine Ökonomie finanziell scheinbar erfolgreich ist, aber
in sich kaum integrierende Vielfalt aufweist, beruht sie immer auf
Ausbeutung, während nur eine Ökonomie mit hoher Vielfalt an
Resonanzbeziehungen tatsächlich selbst Energie, Ressourcen, Werte in
Resonanzprozessen erschafft. Dann begegnen sich keine Profis, keine
Stereotypen, sondern wache Menschen mit Persönlichkeit und tiefen
Motiven, echten Emotionen, wahren Gedanken.
      Da der Fokus zu sehr auf den Produkten und zu wenig auf den
erzeugten        Austauschprozessen        liegt,      verzerrt     modernes
Wirtschaftsverständnis das Bild davon, was eine erfolgreiche Ökonomie
tatsächlich ist.
      Erfolgreich ist nicht, wer durch Standards den Reibungsverlust für die
Großindustrien verringert und darum Gestaltungskraft aus der Breite
abschöpft, aber diese über dicke Leitungen zur Machtstruktur und nicht
mehr zu den Menschen bringt, sondern jene Ökonomie, welche das

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Resonanzniveau, die Dichte an Austausch insgesamt qualitativ erhöht. Also
nicht mit Breitbandinternet, sondern mit einer Kultur des authentischen
Austausches aus vielfältigsten Wissens- und Erfahrungsebenen heraus.
      Das aber braucht Unterschiede, also Diversität in den Märkten und
Individualismus in der Umsetzung von Lösungen, Produkten und
Dienstleistungen. Das steht jedoch im Widerspruch zu einem
Ausbildungssystem, welches Menschen produziert, die Standards
entsprechen und davon möglichst nicht abweichen sollen.
      Nur radikaler Individualismus und ein starkes soziales Gefüge führen
zu kraftvoller Ökonomie. Heute aber ist nichts den Wirtschaftstreibenden,
Politikern und Ökonomen fremder, als der Wert des freien Individualismus
und soziales Bewusstsein. Bis zum Hals stecken sie in einer
Dienstleistungsgläubigkeit, die nur noch eine leere Ideologie darstellt. Wer
dient, hat selbst keine Bedürfnisse mehr.
      Schaffe also nicht mehr Arbeitsplätze, sondern erlaube mehr Berufe!
Frei erfunden, wenn es sein muss. Wenn ein Individuum das will. Schaffe
nicht mehr Großkonzerne, sondern mehr Kleinbetriebe, die lokal und ganz
individuell Produktionsabläufe entwickeln! Vergiss Arbeitsverträge!
Vergiss Arbeitsmarktregeln! Fange an, mit deinem Gegenüber Klartext
darüber zu sprechen, was du wirklich denkst, fühlst, erlebst und für eine gute
Lösung hältst! Streitet Euch bis die Fetzen fliegen und integriert das was
dazwischen passiert! Die ArbeiterIn als Befehlsempfangsmaschine ist out!
      Nur das freie Individuum, welches das eigene Innere erforscht, den
eigenen Weg geht, kennt auch echte Bedürfnisse und Werte. Die Grundlage
natürlicher Märkte und der Innovation. Dort wo Anpassung an einen Markt
dominiert, wird der breiten Bevölkerung Gestaltungskraft entzogen und die
Lebensgrundlage kann nur noch durch Umverteilung passieren, die immer
ungerecht ist. Darum ist die wahre ManagerIn eine RebellIn im Sinne der
Menschheit. Eine die neue Bedürfnisse auslotet, sich selbst erweitert und
somit das ganze System stärkt. Nicht rücksichtslos, sondern im kreativen
Zusammenspiel.
      Dies ist kein Liberalismus im herkömmlichen Verständnis, da dieser
nicht zwischen innerer und äußerer Freiheit differenziert. Ein freier Mensch,
der sich zuerst nach Innen richtet, um dann etwas auszudrücken lebt eine
völlig andere Freiheit, als jener der innerlich unberührt, unbewusst bleibt
und eine unreflektierte Handlung nach Außen setzt. Im inneren sind wir alle
einander sehr nah. Im Außen von einander getrennt. Nur wer die Freiheit
aus dem inneren Prozess heraus sucht, kann diese in ein soziales, kulturelles,
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gemeinschaftliches Gleichgewicht bringen. Jeder sucht Anerkennung, Liebe,
Wahrheit usw.. Die konkrete Ausformung unterscheidet sich. Die innere
Freiheit beflügelt ein System. Schafft Bewusstsein und Empathie.
      Der Erfolg von Deutschland oder Amerika jedoch, besteht zu einem
erheblichen Teil aus der strukturellen Benachteiligung anderer Länder, die
man in der Geschichte über Kriege niedergeknüppelt und in ihrer
Entwicklung irritiert, ja entwurzelt hat. Wegen der Kolonialisierung war es
einfach, den Welthandel weiterhin zu dominieren, weil man die
Handelswege, Börsen und Märkte weitgehend in wenigen europäischen
Händen zentralisierte. Der Westen ist also nicht nur aus sich selbst heraus
zu dieser wirtschaftlichen Stärke gelangt, sondern auch über die erzwungene
Verlagerung von Ressourcen nach Europa und die damit verbundene
Dominanz von Handelszentren in New York oder London. Wobei die Stärke
der westlichen Wirtschaft eigentlich keine Stärke ist, sondern das Ergebnis
der Schwäche der anderen. Die Schwächung der Weltwirtschaft, ist nun
auch in Europa angekommen, weil die Eliten von Orten unabhängig agieren,
sie ihre Vermögen jederzeit in andere Länder verlagern können. Sie gehen
dorthin, wo ihre Machtstruktur sich verschleiern kann, wo sie nicht fürchten
müssen, erkannt zu werden, weil die Menschen schlafen.
      Die Männer an der Bar haben den Kopf von Speed nun freigelegt und
beginnen ihn zu drehen. Je nach Drehrichtung, empfängt er, gleich einem
Radio, unterschiedliche Frequenzen. Es werden andere Reden zur
Auswirkung der Sphären auf die Gesellschaft empfangen. Manchmal ändert
sich die Windrichtung in der Bar und es reißt die Männer links herum.
Situationsgerecht kommt es dann zu einem anderen Kontext. Immer mehr
Wissen wird freigelegt. An der Türe heftiges Klopfen. Die
Industriegesellschaft steht draußen und will rein, um die Maschine Speed
abzuschalten. Es droht unbändige Lebenskraft.
      Die Frage ist nicht, Zinsen rauf oder Zinsen runter, sondern
Individualismus rauf oder runter. Dabei rede ich von einem Individualismus,
den sich die Menschen erarbeiten müssen. Das kann Jahre dauern und muss
vielfach erst wieder erlernt werden. Durch die Sphären wissen die Leute
häufig nicht mehr, was sie wirklich wollen.
      Ich gebe die Anweisung, den Kopf in die andere Richtung zu drehen.
Die Männer packen an und wieder kreischt Speed. Es dauert, bis wir die
richtige Frequenz eingestellt haben.

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      Herrscht zu viel Kollektivismus und Angleichung, haben wir das
Erleben, der Impuls des Einzelnen würde nur wenig bewirken. Das System
lässt zu wenig Resonanz zu, um abweichende Impulse übertragbar zu
machen. Menschen nehmen neue Eindrücke nicht mehr auf, berichten nicht
davon, entwickeln diese nicht weiter, weil sie selbst in einer schwachen
Sphäre mit dicker Schale sitzen. Das gilt besonders für Milieus mit viel
Alltagsmonotonie. In Künstlergruppen ist das natürlich weniger der Fall.
Dass, wie ich später noch erläutern will, diese Einschätzung falsch ist, weil
durch jeden individuellen Impuls das Energielevel der ganzen Gesellschaft
gehoben wird, bleibt vielen in den Sphärenparks verschlossen. Es wird
einem gesagt, eine Idee habe keine Macht. Individualismus habe keine
Macht. Nur das Befolgen von selbstähnlichen Vorgaben, Normen und
Standards bewege viel. Das stimmt nur scheinbar, weil in dem Moment,
zwar viel Energie direkt übertragen wird, diese aber in linearen und
vorbestimmten Abläufen gebunden ist. Sie kann nicht für einen freien
Selbstausdruck, ja für das lebendige, überraschende Leben genutzt werden.
Der Zyklus zwischen der Produktion eines Produktes und dem höheren
Umsatz bei den Eigentümern der Fabriken verkürzt sich, aber der
zivilisatorische Fortschritt bewegt sich gleichzeitig rückwärts, weil durch
diese Beschleunigung und Zentralisierung der Wertschöpfung ein breiter
Wohlstand, ein den Horizont erweitern in der Vielfalt der Bevölkerung,
abgebaut wird. Wer eine Arbeit nach Anweisung exakt ausführt, verschiebt
Energie schneller und gezielter in die Hände der Industrie. Gefangen in den
schwachen Kräften der selbstähnlichen Sphären (dicke Schale) mit ihren
konservativen Feedbackschleifen, erkennt das Individuum nie die eigene
Macht, also die Fähigkeit das System durch Abweichung mit freier Energie
zu versorgen. Während es den Eliten möglich ist, dadurch Ausbeutung zu
zentralisieren und den Eindruck zu erwecken, das Mitarbeiten am
Mainstream sei die produktivere Form des Lebens. Tatsächlich ist es ein
Verbrechen an der Menschheit. Nicht mehr und nicht weniger. Der fleißige
Arbeiter hilft die Zivilisation, Freiheit und den Wohlstand für seine Kinder
zu zerstören. Weil er zur Marke, zur festen Identität wird und weder in
Verhalten, noch im Denken oder Fühlen von der Norm der Marke abweicht.

     Plötzlich durchströmt ein reißender Fluss die Bar. Überall Wasser.
Speed wird chaotisch verwirbelt.

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     Das ist das Dilemma der digitalen Gesellschaft. Während der
Weitergabe von Information wird nichts mehr hinzugefügt oder verändert.
Es kann auch kein Missverständnis passieren.
     Darum ist es logisch, dass mit Zunahme des Fortschreitens moderner
Technologien der Informationsübertragung, die innere Entwicklungsenergie
der Gesellschaft abnimmt. Das erklärt, warum unsere Wirtschaft mit
Fortschreiten der digitalen Technologien und einer konsumfreundlichen
Elektronik, die einem das Leben erleichtert und gleichzeitig das
Entwicklungsspektrum reduziert, sowie der absoluten Standardisierung der
Arbeitswelt, zunehmend schwächer wird.
     Es ist also essenziell, dass wir in Zukunft Wege finden, unsere
Technologie auf eine Weise zu gestalten, die mehr »Fehlerübertragung« von
Informationen zum Ziel hat. Darum darf Technologie das Leben nicht
unbegrenzt vereinfachen und erleichtern. Klingt wie ein Widerspruch, ist
aber für unser Überleben wichtig. Der Mensch braucht das »nicht
Funktionieren«, um Lebensenergie schöpfen zu können. Unsere ganze
Orientierung und Wirklichkeit hängt davon ab.
     Ich will Reibung. Mehr Reibung. Überall Reibung. Irritation.
Widerspruch.

      Ich stelle fest, dass es mir unmöglich ist, das, was gerade in der Bar
passiert, dort draußen zu erklären. Noch eben war ich ein Journalist und
bestrebt, die Wahrheit zu verbreiten. Nun aber ist die Wahrheit nicht mehr
übertragbar. Wer nicht dabei ist, ist nicht in dieser Realität. Dabei erscheint
sie mir nah. Unendlich nah. Speed hat gesagt, dass wir irgendwann, nach
Stunden des Saufens universell werden. Er hat die Theorie, dass unsere
Gedanken schließlich am Ende des Wahnsinns, der nur die Angst davor ist,
nicht normal zu sein, zur Verkörperung des Universellen, eines anderen
Wahren werden. Dann aber kann ich kein Journalist mehr sein. Dann bin
ich nur noch Mensch.
      Übernehme ich diese Verantwortung aus dem Inneren der Bar, bin ich
dort draußen eine verantwortungsloser Verräter. Ohne jeden Nutzen. Nur
noch Irritation. Darum werde ich ihnen nie entsprechen. Es gibt kein Zurück.
Sie nennen mich einen Terroristen. Dabei bin ich nur ein Liebender.

     Außer »schneller, kleiner, billiger« sind wir komplett innovationslos.
Wir können nur noch mehr vom selben in kürzerer Zeit und mit immer
kleineren Sprüngen produzieren. Die Innovationszyklen werden verkürzt,
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weshalb die Geldströme rasch versiegen und alle zum nächsten Hype
wechseln, während diese zu immer kleineren Fortschritten werden. Kürzere
Entwicklungsprozesse bedeutet auch kürzere Halbwertszeiten in den
Märkten. Die Ursache dafür ist die ängstliche Vermeidung, die Menschen in
Sphären gefangen hält. Der Mensch wählt den Zustand geringerer Energie,
um die Zugehörigkeit nicht zu gefährden. Große Innovationen werden
möglicherweise überhaupt nicht mehr angenommen.
      Eines Tages verweigern die Konsumenten neue Innovationen, die
nicht nur die schnellere, billigere, kleinere Version des Bekannten sind, aus
Angst vor Energieverlust. Die Abweichungstoleranz würde sich derart
verringern, dass Innovationen von den Leuten nicht mehr angenommen
werden, es sei denn es handle sich nur um Minimalabweichung. Kommt
dann eine große Herausforderung auf uns zu, die hohe Kreativität erfordert,
gibt es darauf keine Antwort. Ein Phänomen welches jetzt bereits überall zu
beobachten ist.
      Das wäre das Ende der Zivilisation durch zu effektive, zu hoch
entwickelte Technologie. Eine Gefahr die thematisiert werden sollte.
     Gehe arbeiten und bekomme Geld! Gehe mehr arbeiten und bekomme
mehr Geld! Um das Energielevel einer Gesellschaft über indirekte Kräfte,
Handlungen, Auswirkungen zu heben, bräuchte es Menschen mit starkem
Charakter und einem langen Atem. Wer aber sollte das schaffen?
     Die Männer stellen Speed auf den Kopf. Sein Schädel steckt in einem
Loch im Boden, während seine Beine ein Victory-Zeichen bilden.
       Aus der Sicht der Eliten, die quasi aus dem Zentrum des Universums
gestalten, dreht sich alles um Sex und Macht. Dass Resonanz auch Relevanz
ist, bedeutet für die Eliten etwas ganz anderes, als für den einfachen Bürger,
der in der Tapete lebt.
       Relevanz bedeutet heute für den Ottonormalverbraucher, dass etwas
möglichst viele Menschen betrifft, also massenkulturell geprägt ist. Nur für
die Eliten ist Relevanz eine Frage der eigenen, möglichst dominierenden
Schwingung. Darum ist es jetzt nur verständlich, dass auch die einfach
BürgerIn ihre Dominanz hinausbrüllt.
       Weil die Eliten von einer anderen Physik ausgehen, als die
Bevölkerung, unterscheidet sich ihr Umgang mit Krisen fundamental. Statt
diese ängstlich zu vermeiden, erzeugen sie diese, um zu dominieren.
       Was ihnen ihre Macht sichert, gilt in der breiten Bevölkerung als

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verpönt. Während die Eliten betrügen, herum huren, lügen und sich in den
Vordergrund schieben, übt das Volk sich in Zurückhaltung.
      Du bist eine Klicks generierende Einheit, die Lebensenergie in kleinen
Dosen produziert, die sich zur Relevanz der Dienstherren addiert. Die letzte
erlaubte Abweichung ist es, selbst den »Klick« auslösen zu dürfen.
      Wenn ich jetzt unter den Bodendielen spreche, bilde ich bewusst keine
Bezüge zu anderen Autoren, Denkern oder Wissenschaftlern, um nicht an
die vorhandene Sphärenordnung anzudocken. Unbewusst passiert es
natürlich trotzdem, aber das schafft doch eine gewisse Polarisierung
zwischen Distanz und Nähe, Subjektivität und Objektivität. Dabei erfinde
ich natürlich das Rad immer wieder selbst neu, was nicht notwendig wäre,
haben doch andere das bereits getan. Übernehme ich aber leichtfertig die
Erkenntnis der anderen, ist es schwerer, die notwendige Reibung zu
erzeugen, um die Energie für neue Gedankengänge aufzubringen, weil es zu
weniger »Fehlern« kommt, die neue Erkenntnisse ermöglichen.

      Es donnert wieder an der Türe. Staub steigt aus dem Loch auf,
während Speed unaufhörlich spricht. Etliche Behörden ermitteln gegen ihn,
weil er sich weigert, staatliche Anweisungen zu befolgen. Man stellt ihn als
arbeitsunwillig hin. Es kann sich auf keinen Fall um nützliche Arbeit
handeln. Das ist ja klar. Er steht schließlich verkehrt herum. Die Männer
versuchen ihn herauszuziehen. Er spricht weiter.
      Kriminalität ist nicht die Folge von zu wenig Ordnung, sondern von
zu viel. Erhöht eine Gesellschaft die Dichte an Normierung, grenzt sie
automatisch immer mehr Menschen aus, die durch das Raster fallen. Diese
werden nicht mehr mit ausreichend Energie und Resonanz versorgt, um in
positiven Konflikten zu eigener Integrität und Resonanz mit der
Gesellschaft zu gelangen. Somit entwickeln sie Schatten, also Formen von
Destruktivität, mit der sie meist unbewusst versuchen, Reibung zu erzeugen
um das Energielevel, die Lebensqualität zu erhöhen, die ihnen von der
Spießbürgergesellschaft genommen wurde - die das aber nicht begreift, weil
sie selbst in Käseglockenmilieus lebt, wo jeder ein Häuschen, einen Garten
und einen Job hat.

     Besonders großer Beliebtheit erfreut sich nun der 40 Grad Speed. Also
Speed, der von drei Männern in einem 40 Grad Winkel gehalten wird,
während er einfach Dinge ausspricht. In diesen Momenten wird es draußen

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ganz still und die Wände surren sanft. Stabilisiert man seinen linken Arm in
einem 90 Grad Winkel empfängt er wichtige Inhalte zum Thema
Massenproduktion. Die Zeit drängt.
     Schließlich muss jeder Mensch aufs Klo gehen. Nahezu jeder hat Sex
oder hätte diesen gerne. Also ist der Weg zu Ruhm und Erfolg für die
einfachen Menschen ohne Überblick der Weg über Toilettenpapier,
Kosmetik, dumme Witze, die jeder sofort versteht und ganz besonders über
Sex.
      Ich sage, dass ich denke, dass wir das schon hatten. Bin mir aber nicht
sicher. Die Kellnerin schaut in den Notizen nach und bemerkt, dass dies für
die Revolution unerlässliche Informationen sind. Noch ist niemandem klar,
ob wir uns nach der Ausnüchterung noch an solche Details erinnern können.

      Seit die sexuelle Revolution in Europa und den USA aus allem Sex
gemacht hat, kann niemand mehr »Nein« zum Sex sagen, weil, was nicht
sexy ist, keine Relevanz mehr besitzt. Es ist nicht durch jeden und in jedem
austauschbar. Das ganze Leben muss sich um Toilettenpapier,
Mobilfunkverträge und Sex drehen und wer dazu keinen Zugang hat, wer
das nicht lebt, ist erledigt, weil er oder sie dann nichts mehr hat, womit man
sich im Gleichen noch Relevanz, also Minimalresonanz verschafft.
      Die Überwachung des Menschen in der Sphäre dient allein dem Zweck
der Angleichung des Innersten und Privaten an den Mainstream.
      Draußen rumpelt es wieder. Er müsse es weiter aussprechen, hab ich
zu den Männern gesagt. Einfach weiterreden! Ich berühre sein linkes Bein.
Er zuckt und kreischt. Ich drehe seinen Fuß ein wenig. Jetzt wieder kann ich
klar verstehen, was er sagt. Für einen Moment habe ich mich zu sehr
konzentriert. Schon verstand ich ihn nicht mehr.
      Speed will das unmittelbare Erleben über die Theorie stellen und sucht
nach einem Weg, um Menschen Vertrauen in sich selbst zu vermitteln. Die
Politik hat mich verraten. Die Wissenschaft lässt mich allein. Die Kultur ist
zerfallen. Was kann einer heute schon tun, wenn jede Lösung hundertfach
von Experten durchdacht, schon hundertfach abgelehnt wurde, als es
auszusprechen, als hinge das eigene Leben davon ab.
      Einer der Männer behauptet ich, Mr. Bob, sei nicht lösungsorientiert.
Die Kellnerin hat ihm zu spät nachgeschenkt und er ist wohl zu rasch
nüchtern geworden. Ich fürchte er könnte das, was gerade passiert, zu früh

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abwürgen. Sie stellen Speed wieder auf die Beine. Er hustet den Staub raus
und blinzelt mit den Augen. Für einen kurzen Moment bin ich verunsichert,
ob wir vielleicht noch immer diese optimierten Menschen sind. Uns darum
gegenseitig wie Puppen behandeln.
     Ich bin hart. Ich ziehe das durch. Wir müssen es diesen Samstag
einfach schaffen.
     Der große Fred packt Speed jetzt und rotiert ihn über seinem Kopf, wie
die Blätter eines Hubschraubers. Wir alle heben die Arme, in Bereitschaft
ihn aufzufangen, sollten Fred plötzlich die Kräfte verlassen.

      Als ich Red Bull damit drohte, vor ihrer Zentrale einen Stier zu töten,
versuchte ich Reibung zu erzeugen und einen eigenen Impuls zu setzen.
      Dabei ist mir dieser Prozess selbst nur halb bewusst, wodurch ich
meine eigene Sphäre ein Stück weit überlisten kann. Ich lasse einen
unerwarteten Ausgang zu und folge nur dem inneren Flow.
      Für die IndividualistIn bedeutet es, dass sie vielleicht seit Jahren zwar
durch das Abweichen von der Norm die Gesamtwirtschaft voran bringt, dies
aber nicht unmittelbar sichtbar ist, weil sie nur schwache Energie in
Resonanz versetzt. Ein angepassterer Mensch, der in dieser Zeit ein Produkt
herstellt, welches nur ein anderes Produkt kopiert, oder eine Handlung
wiederholt, schwächt die Energie des Gesamtsystems, wird aber mit Geld
dafür belohnt. Darum ist es heute so schwer das »Richtige« zu tun, weil das
niemand bezahlt. Der Kapitalismus lässt es nicht zu, dass man echte
Wertschöpfung betreibt.
      Ich gebe Fred ein Zeichen und ändert die Drehrichtung. Speed rotiert
immer schneller. Nach einer Zeit der Feineinstellung können wir wieder
verstehen was er sagen will.
     Viele Menschen in Wirtschaft und Wissenschaft suchen heute bewusst
und unbewusst einen Ausweg aus der Falle der Sphären. Wir reden von
dezentralen Strukturen und Partizipation, aber bleiben gleichzeitig mit
einem Bein in der Sphäre des Gewohnten, benutzen eine sachliche Sprache,
die Distanz erhöht und Nähe verhindert, weil die benutzten Medien, die
wissenschaftliche Sprache, die institutionalisierten Rahmen die Sphären
immerzu auf den Kern der Eliten ausrichten. Wir wollen verstanden werden
und schon ist man dann in der Selbstähnlichkeitsspirale gefangen. Dadurch
kann nicht ausreichend Veränderungsenergie entstehen. Besonders dort, wo

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dies in Gruppen probiert wird, erzeugt die Gruppendynamik einen Mangel
an produktivem Konflikt. Entweder Entwicklung wird dadurch blockiert,
weil der Wille in einer Sprache ausgedrückt wird, die nicht genug Spielraum
bietet für Schwingung mit anderen Sphären, oder man ist einfach schon von
Anfang an zu sehr gleichgesinnt. Besonders in Deutschland herrscht immer
wieder der Reflex zum Konsens und zum gemeinsamen Mittelweg. Das ist
der Weg der Unterdrücker. Streitkultur ist wichtig. Individualismus ist
wichtig. Unklarheit ist wichtig. Sein, statt erklären zu wollen. Unmittelbar
erfahren, statt unreflektiert weitergeben. Standards braucht es nur dort, wo
Menschen nicht mehr miteinander reden. Wo Standards herrschen, redet
man kaum noch miteinander.
      Die meisten Menschen wollen die Welt verändern, in dem sie
Bündnisse, Verlässlichkeit, kollektive und gleich umsetzbare Handlungen
anstreben. Arbeitskreise sind nichts anderes als Sphären. Als sei die Summe
der Menschen, als sei die Masse die Macht. In diesen Gruppen kommt es
selten zu starken Impulsen, weil der- oder diejenige, der diese erzeugt, aus
der Gruppe fliegt oder geschliffen wird. Die Dominanz der Massen leitet
sich immer von der Dominanz ihrer Unterdrücker ab, nicht von der Masse
selbst. Ein weiteres Naturgesetz, welches heute nicht verstanden wird. Jede
Demo, jede Friedensbewegung, bleibt in sich schwach, weil es eine Frage
der individualistischen Dichte und Qualität ist, ob eine Gruppe was erreicht
und nicht eine Frage der Anzahl ihrer Mitglieder oder der
Massentauglichkeit einer Idee. Es mag zwar die Illusion entstehen, dass sich
eine große, humane Idee über Gruppen und Massen verbreitet und somit
leichter umgesetzt wird. Dabei wird immer übersehen, dass diese
Denkweise jene der Eliten übernimmt. Nämlich die Vorstellung von Macht
über viele, die Vorstellung von Gleichschaltung auf Kosten des
Individualismus. Dieser Weg mag als der schnellere erscheinen, aber ist
zugleich der Grund, weshalb bisher jede Bewegung von den Eliten
vereinnahmt wurde, denn Kollektivismus führt zu Sphärenparks ohne innere
Kraft. Zu vorhersehbaren Ideologen, die guten Boden bereiten für Märkte,
die sich wieder gegen individuelle Beziehungen, authentischen Austausch
richten. Die Machthaber wechseln dann nur die Uniformen von Blau, zu Rot
zu Grün. Ich glaube es ist stärker, sich von der Gesellschaft, von einem
„Wir“ zu entfernen, um wirkliche Gesellschaft zu werden.
      Kaum ein Ökonom, Nobelpreis oder nicht, hat jemals die wahren
Kräfte des Marktes beschrieben, oder gar verstanden. Es sind nicht Zahlen
und es ist auch nicht Sex. Nein, es ist nicht Sex. Es ist die Verweigerung von
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Beziehung.
      Wenn zwei Menschen einander begegnen, passiert ein Austausch auf
vielfältigen, bewussten und unbewussten Ebenen. Ich wage zu behaupten,
dass noch nie zwei Menschen einander begegnet sind, im selben Raum
waren, ein Leben teilten oder sich nur für Sekunden streiften, ohne dass
Energie zwischen ihnen einen Ausgleich suchte, eine Integration, eine
Ergänzung, eine Form der Erweiterung. Die Konflikte dieser Welt sind der
Versuch von Kräften, einen Ausgleich zu finden. Was uns als das Donnern
des Lebens erscheint, ist nichts anderes als das Klopfen der Vielfalt und des
Reichtums des Universums an der Schale unserer Sphäre. Das Bedürfnis
nach dem Sein, danach, Leben voran zu bringen, nach innerer, kreativer
Kraft. Nach authentischer Berührung und Liebe. Und bin ich anders als du,
so nicht weil ich mich von dir distanzieren will, sondern weil ich dein
Anderssein respektiere und dir die Chance geben möchte, mit mit mir
gemeinsam eine noch größere Welt zu bauen, indem ich einen zu dir
gegensätzlichen Pol lebe und die Resonanz mein Zugeständnis ist, ohne
mich dabei zu verleugnen. In diesem Moment erweitern wir uns in den
Zwischenraum, der für jeden außerhalb dieser Welt unscharf erscheint aber
für uns einen Lebensraum darstellt.
     In diesem Moment hält Fred an und stellt Speed wieder auf den Boden.
Fred kratzt sich am Kopf und setzt sich sichtlich befreit an die Bar. Die
Kellnerin streckt an Speeds rechter Hand den kleinen Finger etwas ab. Er
verbeugt sich daraufhin, wie ein Turner vor dem Sprung.
      Warum glaubst du, zerfallen all unsere sozialen Strukturen? Warum
zerfällt diese Welt in Chaos und Ungerechtigkeit, in Ignoranz und Schwäche?
Es liegt an der Ausbeutung und Manipulation der Beziehung. Nichts ist in
unserer Gesellschaft derart geregelt, wie die Art, wie Menschen einander
begegnen und Werte austauschen. Es gibt Vorschriften, Definitionen von
Familie, Partnerschaft, Ehe und Arbeitsverträge, Kaufverträge, sowie Zölle
oder Subventionen. Das soll Streit verhindern. Aber Dialog, wenn auch im
Konflikt, bedeutet Bewusstsein und Energie. Die Zivilisation, die
Gesellschaft selbst, die Wirtschaft als Ordnungsstruktur ist ihr schlimmster
Feind.
      Nichts wird von den Eliten mehr gefürchtet als das eigenständige Wie,
die freie Entscheidung wie etwas umgesetzt wird, das Wagnis einer
unmittelbaren und unvoreingenommenen Begegnung. Nichts erscheint

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bedrohlicher, als sich auf einen Prozess einzulassen, der Risiken birgt und
an dessen Anfang noch nicht festgelegt werden kann, was später entsteht.
Es ist nicht so, dass hier keine Wertschöpfung passiert. Das Gegenteil ist der
Fall. Man kann aber dann Menschen nicht mehr manipulieren. Die Ströme
des Ausgleichs nehmen individuelle und vielfältige Wege und Formen an.
Zentralisierung funktioniert nicht und somit ist es auch unmöglich, den
ganzen Planeten zu dominieren.
      Warum ist die Beziehung, die authentische Liebe, die echte
Begegnung das Schwierigste im Leben eines modernen Menschen? Es ist
leichter mehrere Doktortitel zu erwerben, als mit einem Partner jeden Tag
authentisch, ehrlich und in tiefer Berührung durchs Leben zu gehen.
Natürlich ist das viel verlangt. Der Weg ist das Ziel. Perfektion nur das
Verhindern von anderer Lebensform.
      Die Antwort ist eine Revolution. Leben wir tatsächlich eine
individuelle Beziehung, die Sphäre würde durchbrochen, die
Entwicklungsenergie im ganzen System erhöht. Was ist dafür notwendig?
Eine eigene Sprache, eine eigene Kultur finden, wäre ein Anfang. Werte,
Ressourcen, Kräfte zwischen uns sichtbar machen, die in sich Wissen tragen,
Wohlstand und vielfältige Formen der Existenz. Ein weiterer Schritt. Dafür
aber muss ich werden, wer ich wirklich bin. Muss hier stehen, an diesem
Punkt.
      Das aber steht im extremen Gegensatz zu jenem Denken, welches wir
in den Sphären gelernt haben und welches Erfolg und die herrschenden
Verhältnisse definiert. Auf eine Weise, die für die Herrschenden wenig
Aufwand bedeutet.
In diesem Moment springt die Türe zur Bar auf.
Ich bin zu schwach, um es ihnen vorzuleben.
Es ist Montag. Ich gehe zur Arbeit.

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